Über das Buch

Am 12.12.2018 wurde seitens Jenna Stean der 1. Teil der Bad Boy Trilogie „Emilia und Noah – Wie zähmt man einen Bad Boy?“ (erhältlich bei Amazon), das Spin-off zur äußerst erfolgreichen Liebesgeschichte Mia und Niklas – Keine Liebe ist auch keine Lösung, veröffentlicht.

Auf dieser Seite geben wir Ihnen erste Einblicke in die Handlung und hoffen somit, Sie für den Roman begeistern zu können. Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen hier bereits ein Einführungsvideo, den Klappentext, die Cover, Informationen über die Hauptfiguren sowie diverse Leseproben an.

Am 31.März 2019 erschien Teil 2 und am 30.April 2019 der finale 3. Teil der Reihe. Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim Besuch dieser und der folgenden Seiten.

Daten zu "Emilia und Noah - Wie zähmt man einen Bad Boy (Teil 1)"

Erschienen: 12.Dezember 2018 bei Amazon
Seitenzahl: 471 (eBook), 367 (Druck)
Preis: 2,99 € (eBook), 9,99 € Druck
ISBN: 978-1790758166

Einführungsvideo

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Klappentext

Der Clubbesitzer Noah und die Studentin Emilia leben in unterschiedlichen Welten. Abgesehen von kurzen Gesprächen und kleinen Neckereien während der Arbeit, teilen sie nichts miteinander. Als ein Umstand dazu führt, dass Emilia mit Noahs Privatleben konfrontiert wird, ändert sich das.
Auf den ersten Blick scheint Noah ein Mann zu sein, der nur an One-Night-Stands interessiert ist. Denn seine Lebensumstände verbieten es ihm, Frauen an sich heranzulassen. Doch als er und Emilia sich näherkommen, lernt sie, hinter seine Fassade zu blicken. Und obwohl sich Emilia dagegen wehrt, verliebt sie sich in diesen Mann, kämpft um seine Zuneigung. Aber was geht in Noah vor? Schafft es Emilia, dass er ihr vertraut und sein Herz für sie öffnet?

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Die Cover zum Buch

eBook


Taschenbuch

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Emilia und Noah - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Emilia Westphal, 21 Jahre

Familie: Einzelkind, Eltern leben in Berlin
Hobbys: Freunde treffen, Filme schauen, für Hobbys kaum Zeit

Beruf: studiert Mathematik und Informatik

Beziehungen: zwei Jungs

Charakter: zielstrebig, zuverlässig, hartnäckig

Äußeres: mittelgroß, schlank und kurvig, langes, schokobraunes Haar, braune Augen

Besondere Merkmale: keine, sollte an ihrem Kleidungsstil arbeiten

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Noah Schönfeldt, 33 Jahre

Familie: Eltern leben in Hamburg, Schwester in Berlin

Hobbys: mit Marc Fußball- und Handballspiele schauen, surfen, Frauen flachlegen

Beruf: Clubbesitzer

Beziehungen: geschieden, Ex starb an Überdosis

Charakter: selbstbewusst, loyal, verschlossen, nach schrecklichem Erlebnis in der Ehre und Seele verletzt

Äußeres: 1,90 groß, muskulös, schulterlanges blondes Haar, blaue Augen

Besondere Merkmale: Maori-Tattoos, herausstechend ist das Marquesas Kreuz am linken Oberarm

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Prolog

Motorengeräusche erfüllten die Straße. Der Morgen begann klar aber kalt und kündigte den kommenden Herbst an. Gestern war Noah noch in Dänemark gewesen, nun saß er hier in Hamburg.
Die Nacht hatte er im Wagen in einer Parkbucht vor der Rechtsmedizin verbracht. Seine mittlerweile steifen Finger umklammerten noch immer das Lenkrad und sein Blick war nach vorne auf die Straße gerichtet. Noahs Augen brannten, tränten von der bleiernen Müdigkeit, die ihm in den Knochen saß. Noah wollte nach Hause, doch fühlte er sich nicht in der Lage, den Volvo zu starten und nach Berlin zu fahren. Er drehte den Kopf nach rechts und sah durch den Zaun zum trostlosen Betonklotz.
Wie konnte es so weit kommen?, fragte er sich. Wir waren doch damals glücklich gewesen? Hatte Maries Sucht tatsächlich dazu geführt, dass sie nun nackt unter einem weißen Tuch auf dem kalten Stahltisch lag? Umgeben von grünen Kacheln und grellem Licht?
Ein Brechreiz überkam Noah. Mühsam würgte er ihn mit der Faust vor dem Mund hinunter. Noch immer hatte Noah den grässlichen Geruch in der Nase. Tod roch nach Tod. Selbst Desinfektionsmittel hatten nicht den Gestank im Leichenraum nach Trauer und Verwesung überlagern können.
Langsam vergingen die Stunden, die er stumm im Auto saß.
»Dieses miese Schwein!« Noah riss sich aus seiner Lethargie, startete den Motor, warf einen kurzen, prüfenden Blick auf die Fahrbahn und raste mit quietschenden Reifen los. Vor dem Tattoostudio Maori-Style parkte er den Wagen und schwang sich vom Sitz. Mit langen Schritten stürmte Noah in den Laden.
»Wo ist dein Boss?«, fragte er die dicke Blonde, die mit aufgerissenen Augen hinter der Theke stand. Wer ist dieses dümmliche Mädel? Stellt der Mistkerl jetzt Kinder ein?
Noah schüttelte den Kopf. Bei dem Idioten wunderte ihn nichts mehr.
»Äh … Bei einem Ku-kunden, letzte Tür links«, stotterte sie.
»Verdammt, ich hatte Lee gesagt, sich von Marie fernzuhalten, sie mit dem Gift nicht mehr zu versorgen«, fluchte Noah, während er über den Gang lief. Auch wenn sie seit mittlerweile drei Jahren nicht mehr seine Frau war, hatte er sich für sie weiterhin verantwortlich gefühlt.
Schnaufend riss er die Tür auf. Ein gleichmäßiges Summen erfüllte den Raum.
Erschrocken hob Lee den Kopf. Mit hochgezogenen Brauen sah er zu Noah, schaltete die Maschine aus und legte sie auf den Arbeitstisch. Dann zog er den Mundschutz unter das Kinn.
»Was hast du hier zu suchen?«, bellte er mit zusammengekniffenen Augen und umrundete den Tätowierstuhl. Breitbeinig, mit verschränkten Armen vor der Brust, funkelte er Noah an.
»Tu nicht so scheinheilig! Du weißt genau, warum ich hier bin!«, brüllte Noah.
Lee lächelte süffisant. »Keine Ahnung, was du von mir willst. Vielleicht ein neues Tattoo?«
Noah fühlte sich von dem grinsenden, bulligen Arschloch verhöhnt, wie er mit dem dämlichen Mundschutz vor ihm stand, als ob ihm die Gesundheit seiner Mitmenschen wichtig wäre. So ein Wichser!
»Nachdem du dafür gesorgt hast, dass Marie sich mit deiner beschissenen Droge den goldenen Schuss gesetzt hat, fragst du mich, was ich will?« Noah schnaubte, ballte die Hände an den Seiten zu Fäusten.
»Was kümmert es dich, was Marie mit ihrem Leben machte? Sie war seit Jahren mit dir fertig, weil du sie wie Scheiße behandelt hast. Dich interessierten doch schon immer nur dein Club, deine Surferkumpel und andere Weiber. Also spiele dich hier nicht so auf!«
Lee drehte Noah den Rücken zu, um sich seiner Arbeit wieder zu widmen. Sein Kunde, ein blasser Junge, der sich vermutlich mit einem Tattoo auf dem dünnen Oberarm cooler fühlen wollte, hing ängstlich blinzelnd im Stuhl, wie Noah aus dem Augenwinkel wahrnahm.
»Sag mal, hörst du mir nicht zu?« Noah packte Lee im Nacken und stieß ihn zum Arbeitstisch. Mit Wucht rammte er ihm den Kopf auf die Tischplatte, ließ ihn dann mit angewiderter Miene los.
Lee brüllte auf. »Bist du irre? Du Arschloch hast mir die Nase gebrochen!«
Das Blut tropfte dem Tätowierer vom Kinn, als er seine Hände schützend vor die Nase hielt und sich zu Noah umdrehte.
Zornig starrte Noah den Kerl an. Er hob den Arm, um Lee die Faust ins Gesicht zu schlagen.
Doch plötzlich schoss ihm ein Gedanke ins Hirn, erfüllte ihn ein heftiger Schmerz, der ihm für einen Moment die Luft zum Atmen nahm. Er keuchte auf, packte im nächsten Augenblick Lees Lederweste und fixierte ihn mit schmalen Augen.
»Wo ist Linus … Und wehe, du verarschst mich!« Wenn der Typ mir nicht die Wahrheit verraten wird, wird ihn die eigene Mutter nicht mehr wiedererkennen, schwor er sich. Noah krallte die Finger seiner rechten Hand in die schwarzen Haare des Schweins und riss ihm den Kopf mit einem Ruck nach hinten.
Lee schrie auf und drückte seine Handflächen abwehrend gegen Noahs Brust. »Schon gut, Mann, ich rede. Aber damit das klar ist … Danach verschwindest du!«

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Kapitel 1 - Emilia

Schon wieder dieser dämliche Abwaschdienst! Verärgert blickte Emilia auf die Berge von Besteck und sah durch die geöffnete Küchentür hinüber zur Bar, wo hinter dem Tresen Paul zwischen Anna und Liane stand, ein Bier zapfte und mit den Gästen plauderte.
Du bist zu langsam, hatte Marc gesagt. Und außerdem benötigen wir hinter den Tresen Jungs und Mädels, die hübsch sind, damit die Clubbesucher sich nicht von ihnen loseisen können und viele Drinks bestellen. Später, wenn du dein Outfit überdacht hast und dich beweisen konntest, darfst du an einer der Bars arbeiten, dann wird Noah das bestimmt erlauben. So bescheuert kam ihr der Geschäftsführer, als sie sich beschwert hatte, dass sie nie an der Bar eingeteilt wurde, stattdessen nur an der riesigen Spülmaschine stand.
Sie musste das dreckige Geschirr einsortieren, später frisch gewaschen ausräumen und zum Schluss das Besteck gründlich abtrocknen. Sie schnaufte. Als Totschlagargument hatte Marc doch tatsächlich noch vorgebracht, dass das nun mal die ausdrückliche Anweisung vom Clubinhaber war.
Später, später, später. Und wenn mein Outfit zur Bar passt. Pah, dieser Noah Schönfeldt war einfach nur ein arroganter Kerl, ein selbstgefälliger Schönling, der wohl eher mit seinem Schwanz dachte statt mit dem Hirn.
Nur, weil sie sich nicht mit Minirock, Top und Stilettos aufbrezelte, war sie keinesfalls hässlich und für die Bar als ungeeignet zu betrachten. Und eine Sache war für sie auf alle Fälle klar: nie solche Klamotten! Da konnte Noah warten, bis er schwarz würde. Sie zog die Nase kraus und nickte zur Bestätigung. Niemals!
Missmutig schaute sie zu Paul und den Frauen, während sie das Tuch über den Griff eines Messers rieb, damit keine Wasserflecken zurückblieben. Sie plapperten fröhlich mit einer Gruppe gutgelaunter Männer. Na super, nun kommt auch noch Jonas dazu, um sich am lustigen Gespräch zu beteiligen. Und was ist mit mir?
Emilia zog die Stirn in Falten. Niemand von ihren Kollegen schenkte ihr Beachtung, während sie sich hier allein mit dem Besteck vergnügen durfte. Gibt es überhaupt eine noch stumpfsinnigere Tätigkeit?
Sie studierte Informatik und im Nebenfach Mathematik, war nicht auf den Mund gefallen, aber man ließ sie hier diese bescheuerte Arbeit verrichten. Das fand sie ungerecht.
Heimlich drehte sich Emilia um, beobachtete den Küchenchef Jochen Brandes, wie er mit dem Clubinhaber die Bestellungen durchging. Die Planungen waren bereits in vollem Gange, denn am Freitag in einem Monat fand die Halloweenparty statt, die als großes Event jedes Jahr im November nachträglich im Club gefeiert wurde. Und Emilia würde nicht als Angestellte, sondern als Gast mitfeiern.
Ihre Freundin Lilly hatte für sie eine zweite Einladung ergattert, weil sie mit einem der Türsteher verbandelt war. Unter normalen Umständen wäre Emilia chancenlos gewesen, bei solch einem Event dabei zu sein. Ob Schönfeldt ihr eine Karte gegeben hätte, hätte sie sich zu fragen getraut? Darüber hatte sie nachgedacht, als die Halloweentickets von der Druckerei gebracht wurden. Mir bestimmt nicht, davon war sie überzeugt. Aber sie musste sich nicht mehr über diese Frage den Kopf zerbrechen. Nun besaß sie eine von den begehrten, blutroten Einladungen.
Noah sah zu ihr herüber, ihre Blicke trafen sich, und sie befürchtete, dass er ihre Gedanken gelesen haben könnte. Schnell wandte sie ihr Gesicht ab und trocknete mit gespielter, hingebungsvoller Miene die Klinge ab, beobachtete aus dem Augenwinkel, wie Noah zu ihr deutete und dem Küchenchef etwas zuraunte. Verflixt, kann er mir tatsächlich in den Kopf schauen? Wieder starrte sie auf das Besteck, suchte nach einer Möglichkeit, gelassen zu bleiben.
Schritte näherten sich und Emilia bekam weiche Knie. Wenn der Kerl doch nur nicht so verteufelt attraktiv wäre …
Als sie Noahs Räuspern hörte, seufzte sie und unterbrach ihre Arbeit. Um ihn anzusehen, musste sie den Kopf in den Nacken legen. Sie reichte ihm gerade mal bis zum Kinn.
Emilia spürte, wie ihr die Röte in die Wangen schoss, ihr Herz schlagartig gegen die Rippen wummerte. Warum habe ich meine Empfindungen nicht unter Kontrolle? Dabei kann ich ihn doch nicht einmal besonders leiden, weil er ein sturer, selbstverliebter Idiot ist. Zumindest redete sie sich das ein, wenn sie ihn erblickte. Trotzdem machte seine Anwesenheit sie jedes Mal nervös, kribbelte es in ihrem Unterleib, wenn er sich in ihrer unmittelbaren Nähe aufhielt.
»Langweilige Aufgabe, stimmt’s?« Noah zog sich den Stuhl unter dem Tisch hervor, setzte sich rittlings auf die Sitzfläche und stützte die verschränkten Arme auf die Rückenlehne.
Emilia schielte zu den Maori-Tattoos, die seine Haut bis zu den Handgelenken verzierten. Das Stechen muss höllisch wehgetan haben, überlegte sie. Ob auch Brust und Rücken mit den scharfen Mustern versehen sind? O Gott, nein! Worüber mache ich mir gerade Gedanken? Er ist mein Chef, da sollte mir sein Körperschmuck absolut schnuppe sein! Aber sexy sehen sie bestimmt auf Noahs muskulösem Körper aus.
Sie seufzte. Am liebsten würde sie mit den Fingerspitzen über Noahs Haut fahren, sie sanft nachzeichnen.
Emilia, hör sofort mit deinen Gedanken auf, nicht weiter darüber grübeln!, schimpfte ihr Verstand.
»Ich frage mich, worüber du dir gerade deinen Kopf zerbrichst?«, sagte Noah, nachdem er eins der polierten Messer in die Hand genommen, die glänzende Klinge betrachtet hatte und es wieder zum abgetrockneten Besteck legte.
Emilia lächelte gequält. Die Antwort würde sie ihm schuldig bleiben, selbst wenn er ihr Daumenschrauben anlegen mochte. Noah lachte. »Genauso, wie ich es bei dir befürchtet habe. Du bist sauer auf mich, weil ich dich hier in der Küche arbeiten lasse, statt dich an einer der Bars einzusetzen.« Der Stuhl ratschte auf den Fliesen. Noah kippte mit ihm leicht nach vorne, angelte sich ein zweites Tuch und griff nach einer Handvoll Besteck; das Metall klirrte, als er einen Löffel auf den abgetrockneten Berg warf.
Emilia sah ihm zu, wie er flink die Arbeit verrichtete, als ob das seine tägliche Beschäftigung wäre.
Aber was will er? Warum trocknet er mit mir Besteck ab? Kann er nicht zu Paul und den anderen gehen, statt sich bei mir festzusetzen?
Seine Anwesenheit machte sie so wuselig, dass ihre Hände zu zittern begannen, sie gegen die Hitze in ihrem Gesicht ankämpfen musste, weil der Kerl sie mit seinem herben Duft, dem strahlenden Lächeln und seiner körperlichen Präsenz wahnsinnig machte.
Schweigend musterte sie ihn. Noah war ungefähr zehn Jahre älter als sie. Er hatte markante Gesichtszüge, eine gerade Nase und winzige Lachfältchen um die blauen Augen. Sein flachsblondes Haar fiel ihm bis auf die Schultern. Wenn er die schön geschwungenen Lippen zu einem Lächeln verzog, sah man die ebenmäßigen, weißen Zähne. Alles, was man seinem Nachwuchs an guten Genen mitgeben konnte, mussten ihm seine Eltern vererbt haben.
Auch sein Klamottengeschmack unterstrich Noahs Attraktivität. Bevorzugt kleidete er sich schwarz, was ihn gefährlich wirken ließ. Heute trug er ein graues T-Shirt mit einer schwarzen Jeans und Boots. Emilia konnte nicht anders, als zu denken: Der Mann ist heißer Sex auf zwei Beinen. Kein Wunder, dass ihm alle weiblichen Angestellten hinterher schmachten.
Doch ihn schien das kein bisschen zu interessieren. Wenn er Frauen abschleppte, dann diese aufgetakelten Weiber, die im Club tanzten, ihn zügellos anbaggerten, wie Emilia manchmal mitbekam. Eine feste Beziehung hätte Noah wohl schon seit Jahren nicht mehr gehabt, hatte Paul einmal Anna und Liane erzählt. Emilia hatte das Gespräch mitbekommen. Ja, sie musste zugeben, sie hatte gelauscht – Asche auf ihr Haupt. Aber auch sie konnte sich seiner Aura nicht entziehen. Leider.
Noah betrachtete Emilia amüsiert, während er das Besteck abtrocknete. »Keine Sorge, auch du wirst demnächst hinter dem Tresen eingesetzt. Aber du bist noch nicht lange genug bei uns.«
»Äh, was?« Mist! Bei all ihren Gedanken hatte sie ihm nur mit halbem Ohr zugehört. »Entschuldige, könntest du noch einmal wiederholen, was du gesagt hast?«
Noah stöhnte. »Ach, Emilia, in welcher mathematischen Formelwelt hängst du wieder rum?« Grinsend schüttelte er den Kopf. »Ich sagte, du musst dir keine Gedanken machen. Ich werde dich noch an einer der Bars einsetzen, aber zu einer späteren Zeit. Du bist erst kurz bei uns.«
Verärgert zog sie die Augenbrauen zusammen. Was redet er da? »Ich bin schon seit zwei Monaten hier, genauso lange wie Anna.«
»Die Frau kommt im Gegensatz zu dir aus der Gastronomie, ist viel älter als du.« Er warf ihr einen langen Blick zu. »Nach dem, was ich in deiner Personalakte gelesen habe, wirst du erst in ein paar Monaten 22 Jahre alt und hast in dieser Branche noch keine Erfahrungen gesammelt. Da lasse ich dich noch nicht zu den Kerlen raus. Wenn sie betrunken sind, können sie auch unfreundlich sein. Davor will ich dich schützen.«
»Dann kann man Kaffee anbieten. Das würde ich bei manchen Gästen eher tun, statt ihnen weiter Bier zu zapfen. Dann bekommen die Typen wieder einen klaren Kopf.«
Noah musterte Emilia mit einem sorgsamen Blick. »Schau an, schau an … Du scheinst aufzupassen, über Lösungen nachzudenken. Das gefällt mir.«
Sie nickte eifrig. »Ich kann sehr gut auf mich achtgeben, ruhig bleiben und mit schwierigen Situationen umgehen, wenn es erforderlich ist.« Sie wollte ihn davon überzeugen, dass er sie ohne schlechtes Gewissen an der Bar einsetzen könnte.
»Probiere es mit mir aus!«, forderte sie ihn auf, von einem plötzlichen Mut ergriffen. »Du wirst es nicht bereuen. Ich bin gut im Kopfrechnen und gesprächig.«
Sinnend betrachtete Noah Emilias Gesicht. »Du unterschätzt das, bist viel zu jung.«
»Ich bin überhaupt nicht zu jung«, widersprach Emilia. »Du findest ja nur, dass ich nicht deinem Klischee einer hübschen Frau entspreche, die mit ihren riesigen Brüsten wippt, mit dem Hintern wackelt und ihre wasserstoffblonden Haare aufreizend über die Schultern wirft. Nur diese Barbies gefallen dir. Du bist doch nur voreingenommen. Hier in der Küche sieht mich ja niemand. Für dein blödes Geschirr und Besteck bin ich dir gut genug.«
Aufgebracht warf sie das Handtuch auf den Tisch, pustete sich eine lange Strähne aus dem Gesicht und funkelte ihn an. Sie hatte sich hier beworben, um mit dem Gehalt und dem Trinkgeld ihre Finanzen während des Studiums aufzubessern. Doch in der Küche verdiente sie nicht so viel wie an der Bar, obwohl auch hier die Arbeit anstrengend war.
Doch ein Mann wie Noah konnte sich in die Probleme einer armen Studentin nicht hineindenken. Ihm schien es finanziell gutzugehen, wie sie es an seinen teuren Klamotten und der Hugo Boss Uhr am Handgelenk erkannte. Und von Paul hatte sie vernommen, dass er Weihnachten in die Karibik zum Surfen fliegen würde. Klar, ihm war das daher egal, ob sie finanziell zurechtkam oder nicht. Hauptsache, sein Leben war schön und erlebnisreich.
»Du hast eine ziemlich vorgefertigte Meinung von mir. Wenn es dir um einen besseren Verdienst geht, dann können wir darüber reden. Ich will dich nicht unterbezahlen.«
»Es geht mir nicht nur ums Geld«, widersprach Emilia heftig. »Ich will diese stupide Arbeit nicht mehr machen, nur weil du mich nicht sexy genug findest.«
»Du bist noch keine Frau in meinen Augen, sondern ein junges Mädchen. Also denke ich nicht darüber nach, ob du sexy bist oder nicht! Hier bin ich dein Chef, treffe Entscheidungen und sage: Du wirst noch mindestens vier Monate in der Küche bleiben und dich um das schmutzige Geschirr und das Besteck kümmern!«
Emilia presste die Lippen zusammen, spürte, wie der Zorn in ihr aufstieg. Der Kerl machte sie nervös, zu faszinierend fand sie ihn, und er sah in ihr nur ein kleines Mädchen, das er wie Aschenputtel die Drecksarbeit erledigen ließ. »Ich bin aber eine Frau!«
Noah stand auf, warf das Handtuch zum Besteck. Er schob den Stuhl unter den Tisch zurück und sah Emilia prüfend an. Seine Augen wanderten über ihren Körper. »Umso bedauerlicher, dass ich mit dir dann nicht wie mit einer Frau reden kann. Du bist innerlich wie äußerlich noch ein junges Mädchen.« Er lächelte. »Glaub mir, unter anderen Umständen und wenn du einige Jahre älter wärst, würdest du mir tatsächlich gefährlich werden können … Das zu deinem Vorurteil, was meinen Frauengeschmack betrifft.«
Die Worte trafen Emilia wie ein Stromschlag. Hat er das tatsächlich gerade zu mir gesagt? Ich könnte Noah gefährlich werden, wenn ich älter wäre? Oder war das eine Verarsche, macht er sich über mich lustig?
Schlagartig hatte sie das Gefühl, alles um sie herum drehte sich, die Wände, der Fußboden, die Küchengeräte. Sie hielt sich an der Tischkante fest, starrte Noah hinterher, der bereits den Küchenbereich verlassen hatte und zu Paul gegangen war, ohne sich noch einmal zu ihr umgedreht zu haben. Emilia beobachtete, wie er dem jungen Mann mit den Rastazöpfen den Arm um die Schultern legte und etwas zu ihm sagte. Wie in Stein gemeißelt, stand sie da, konnte ihre Augen nicht von ihm lösen. Das Gefühlschaos, das Noah Schönfeldt in ihrem Herzen angerichtet hatte, war nun nicht mehr zu entwirren.
Doch plötzlich vernahm sie ein Brummen.
Erschrocken fuhr sie herum, blinzelte Brandes an.
Der Küchenchef erwiderte ihren Blick. Er hatte ein feistes Gesicht, scharfe Augen unter buschigen Brauen. Den schmallippigen Mund hatte er missbilligend verzogen. »Wirst du fürs Gaffen auf Schönfeldt bezahlt?«
Emilia wäre am liebsten aus der Küche gerannt, derart peinlich war es ihr, dass der fette Brandes bemerkt hatte, wie sie Noah beobachtete. Er schaute geringschätzend auf ihre Arbeit. Mit gerunzelter Stirn hob er mit seinen Wurstfingern eine Gabel, betrachtete sie rundherum, schnaufte, und warf sie zum abgetrockneten Besteckberg.
»Du bist wirklich für alles hier zu langsam, für die Küche völlig ungeeignet. Ich habe ja Schönfeldt vorhin gesagt, er soll dich rausschmeißen. Hatte er mit dir nicht darüber gesprochen? Mädel, du bist für ihn verschwendetes Geld. Ich verstehe nicht, warum er bei dir nicht wie ein Geschäftsmann denkt?« Er sah sie mit kalter Miene an, schüttelte den Kopf.
Das war zu viel für Emilia! Wut stieg in ihr auf. Brandes war ein ekelhafter Typ. Was wusste sie, warum sie nicht entlassen wurde? Noah hatte das mit keinem Wort erwähnt, während er mit ihr gesprochen hatte. Spielen die Chefs mit mir Katz und Maus? Warten Noah und Marc bis sie eine neue Spülkraft haben und verpassen mir dann einen Tritt?, fragte sie sich und schnappte nach Luft. Ich muss hier raus!
Emilia kehrte Brandes den Rücken zu und rannte zum Hinterausgang der Küche. Sie riss die Tür auf und stürzte nach draußen. Blind lief sie vorwärts. Doch plötzlich stolperte Emilia und schrie erschrocken auf. Wild mit den Armen rudernd, kämpfte sie um die Balance.
Wenn in diesem Moment nicht ein mit Maori-Tattoos verzierter Arm ihre Taille umschlungen hätte, wäre sie mit ihrem Körper der Länge nach auf der Straße hingeschlagen.

»Vorsicht, ich habe dir nichts getan, also nimm die Arme herunter!«, hörte sie Noahs Stimme dicht an ihrem Ohr. »Oder willst du mich schlagen?«
Emilia blickte auf und sah in seine blauen Augen, die sie verwundert anblickten.
»Hey, was ist los?«, fragte er und hielt sie fest.
»Nichts«, platzte es aus ihr heraus, während sie versuchte, sich aus Noahs festem Griff zu winden und seine Hand abzuschütteln. Emilia seufzte, es war zwecklos.
»Klar.« Noah ließ sie los und trat zwei Schritte zurück. »Deshalb bist du aus der Küche geflüchtet, weil ja nichts ist.«
Emilia schaute zu ihm auf. Sie sah, dass Noah hinter sich blickte, als ob er sichergehen wollte, dass sie allein waren. Aber die Tür war längst zugefallen.
Wenn es nicht Noah wäre, der ihr hinterhergekommen war, würde sie fast glauben, er hätte sich um sie gesorgt. Aber er steckte mit dem Küchentyrannen unter einer Decke. »Ich glaube, dass du weißt, was mir Brandes gesagt hat«, erwiderte Emilia trotzig.
»Aha, daher weht der Wind.«
Emilia wich einen Schritt zurück und winkte ab. »Ach, lass mich einfach in Ruhe!«
Als sie sich an ihm vorbeidrängeln wollte, versperrte er ihr den Weg. »Wir können reden, wenn du willst.«
»Nein, Noah, ich brauche kurz frische Luft, dann kehre ich an die Arbeit zurück.«
»Emilia.« Er trat so dicht auf Emilia zu, dass sie sein Aftershave riechen konnte. Als er sich zu ihrem Gesicht beugte, dass seine Stirn nur eine Handbreite von ihrer entfernt war, japste sie nach Luft. Noahs Nähe weckte ein Kribbeln in ihrem Körper.
»Noah, ich brauche einfach ein bisschen Ruhe!«, flehte sie. Es war ihr egal, wie verzweifelt ihre Bitte sich anhörte, aber die Worte von Brandes musste sie noch verdauen.
Einen Augenblick schwieg Noah und musterte Emilia nachdenklich, bevor er den Kopf hob und den Mund öffnete. »Was hältst du davon, wenn wir in das Café vorne um die Ecke gehen und einen Kaffee trinken? Dort können wir ungestört reden.« Er zwinkerte ihr zu. »Sag ja!« Entgegen Emilias Erwartungen blieb Noah nett und lächelte. Wüsste Emilia es nicht besser, würde sie glauben, dass sie ihm nicht gleichgültig war. Denn eigentlich bewies er es ihr ständig, dass sie für ihn nur eine Spülkraft war. Aber sein Angebot zurückzuweisen, wäre auch nicht richtig. Immerhin war er ihr Chef. Darum willigte sie ein. »Okay. Reden können wir.«
»Schön«, sagte Noah und zog sein Handy hervor. Schnell tippte er eine Nachricht, bevor er es wieder in die Hosentasche schob.
»Na, dann komm!«, forderte Noah sie auf. »Ich habe Marc Bescheid gegeben, dass wir in einer Stunde zurück sind.«
Emilia stutzte. »Du hast Marc geschrieben, dass wir beide für eine Stunde nicht im Club sind?«
Verwirrt runzelte Noah die Stirn. Dann lachte er kopfschüttelnd. »Natürlich, sonst setzt Marc noch eine Suchmeldung in die Zeitung, weil wir verschollen sind.«
»Äh … Klar.« Logisch, dass er Marc informieren musste, dass er mit ihr den Club verlassen hatte. Das wurde ja kein heimliches Date, sondern ein stinknormales Gespräch zwischen Chef und Angestellten. Eigentlich schade.
Auf dem Weg zum Café sah Noah sie von der Seite an. »Dass wir uns einmal privat unterhalten, hätte ich nicht gedacht«, bemerkte er. »Ich weiß wenig über dich.«
»Du fragst ja auch nicht.«
»Stimmt, tue ich nicht.« Noahs Mundwinkel zuckten nach oben, und selbst dieses kleine Lächeln sendete Stromstöße durch Emilias Körper.
»Willst du denn …«
Nein!
Rasch biss sich Emilia auf die Unterlippe, bevor ihr die verfängliche Frage vollständig aus dem Mund rutschte.
Sie musste unbedingt aufpassen. War doch klar, dass sie mit ihm keine normale Unterhaltung führen konnte, dafür interessierte sich Emilia viel zu sehr für ihn, aber er sich kaum für sie. Und beinahe hätte sie sich verraten.
Noah holte tief Luft, bevor er antwortete. »Manchmal ist es besser, wenn man auf Abstand bleibt und nicht zu viel voneinander weiß.«
Wie meint er das? Ihr Magen krampfte. Emilia spürte plötzlich, dass sie enttäuscht darüber war, dass er Distanz wahren wollte.
»Aber trotzdem erzählst du mir, warum du aus der Küche geflüchtet bist«, hakte Noah noch einmal nach.
Mit Blick zum Himmel stöhnte Emilia. »Ja, wir reden darüber. Du bist unglaublich hartnäckig.« Sie sah in Noahs Gesicht. Ein Schmunzeln konnte sie sich nicht verkneifen. »Bekommst du immer, was du willst?«
Noahs Augen funkelten und mit einem amüsierten Lächeln blickte er auf sie herab. »Davon kannst du ausgehen«, sagte er, und Emilia unterdrückte einen Seufzer, während die Hitze erneut in ihre Wangen schoss. Seine Stimme war die reinste Verführung, sinnlich und tief. Und als er die Worte formte, starrte Emilia ihm wie hypnotisiert auf die Lippen. Als sie es bemerkte, wandte sie hastig das Gesicht ab. Emilia verkniff es sich, ihn noch einmal direkt anzusehen, aber aus dem Augenwinkel wagte sie einen kurzen Blick. Wie wunderbar musste es sein, von diesen Lippen geküsst zu werden. O Gott, nein! Ich darf nicht an seinen schönen Mund denken!
Mühsam schluckte sie einen Kloß hinunter, der plötzlich in ihrem Hals steckte. Was geht denn jetzt schon wieder in meinem Kopf vor? Sie sollte sich ablenken, statt an Noahs Lippen zu denken. Nur mit viel Willenskraft schaffte es Emilia, ihre Gedanken auf die Uni zu richten und die Gefühle für ihn beiseitezuschieben.
»Wir sind nicht umsonst hier, der Laden ist offen«, hörte sie ihn sagen, nachdem sie den Weg nach links eingebogen waren und Licht durch die großen Fenster des Cafés gesehen hatten.
Noah öffnete die Eingangstür und ließ Emilia den Vortritt. Drinnen war es fast leer. »Dort ist ein guter Platz.« Noah steuerte auf einen hinteren Tisch zu und Emilia folgte ihm.

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Kapitel 2 - Noah

Noah konnte sich noch gut an den Tag erinnern, als er Emilia das erste Mal begegnet war. Es war Mitte August. Dringend hatten sie eine Spülkraft gesucht, aber keiner mochte den Job. Daher war es schwer, für solch eine öde Tätigkeit jemanden zu finden, und sie waren erleichtert, dass Emilia sich auf die Stelle beworben hatte.
Damit das Mädchen den Arbeitsvertrag schlussendlich unterschrieb, hatte sein Geschäftsführer ihr versprochen, dass sie irgendwann die Möglichkeit bekäme, an einer der Bars zu arbeiten. Nun gut, das entsprach nicht unbedingt der Wahrheit, aber Not machte bekannterweise erfinderisch. Marc, Noahs engster Kumpel und rechte Hand, lockte mit Angeboten, damit Bewerber blieben. Manchmal war das unumgänglich.
Der Club war die angesagteste Adresse in Berlin, stets überfüllt und mit zahlungswilligem Publikum. Da die schönsten Mädels der Stadt hier am liebsten feierten, wurde der Club auch schnell für Touristen und Promis ein Besuchermagnet. Und dass er der Besitzer des Ladens war: That’s Fun! Noah war stolz auf das, was er erreicht hatte.
Doch nun saß er hier mit Emilia und musste alles Erdenkliche tun, damit sie den Job nicht kündigte. Da das Essen im Club einen guten Ruf hatte, brauchte er seine Spülkraft. Deshalb musste das Mädchen durchhalten, und Brandes war schon immer ein Fiesling gewesen, aber ein stressresistenter und hervorragender Koch. Auf ihn konnte er noch weniger verzichten, daher ließ er Brandes’ fiese Kommentare ab und zu durchgehen.
Aber nun schien es, dass der Küchenchef den Bogen überspannt hatte. Noah wusste, er würde mit ihm reden müssen. Aber zunächst galt es, Emilia zu beruhigen. Er hatte Mitleid mit dem Mädchen, weil er sich irgendwie für sie verantwortlich fühlte, und der Anschiss war ja wohl das Letzte.
Noah betrachtete sie. Emilia war wirklich süß. Seit sie im Club arbeitete, beobachtete er sie heimlich. Schon am ersten Tag war sie ihm aufgefallen. Er war mit Paul die Getränkebestände durchgegangen. Dabei hatte er sie gemustert: volle Lippen, lange schokobraune Haare, dunkle Augen mit dichten Wimpern. Sie besaß eine tolle Figur mit üppigen Brüsten und einem hübschen Hintern. Noah liebte Rundungen an den richtigen Stellen. Er erinnerte sich, wie anziehend er sie gefunden hatte, denn er konnte sich kaum auf Paul konzentrieren, weil es ihm schwerfiel, den Blick von ihrem Gesicht, ihrem wunderschönen Körper zu lösen. Erst als sein Barkeeper komische Bemerkungen machte, weil er ihm nicht zuhörte, hatte er sich von Emilias Anblick losgerissen.
Ein wenig erinnerte sie ihn an Mia. Er hatte sich damals in diese Studentin verliebt. Mia war zurückhaltend, attraktiv und klug gewesen. Aber leider war sie nicht über ihren Ex hinweggekommen. Er hatte sich viel Mühe gegeben, das Mädchen für sich zu gewinnen. Erfolglos. Über zwei Jahre war es schon her, dass er die Reißleine gezogen hatte und sich von ihr trennte. Es ging nicht anders, und es war ein brennender Schmerz gewesen, den er danach verspürt hatte. Zwar nicht so schlimm wie der Verlust von Marie, aber ausreichend, dass er das nicht noch einmal fühlen wollte. Trennungen waren einfach nur scheiße. Und wenn die Frau auch noch sehr jung war, dann tat das zusätzlich seinem Ego weh. Also waren hübsche Studentinnen seitdem tabu und darum würde er auch die Finger von Emilia lassen, bevor er in ihre Falle tappen würde. Immerhin war er dieses Jahr 33 Jahre geworden, deshalb auch zu alt für sie. Und nach der schrecklichen Sache mit Marie, die wenige Wochen nach der Trennung von Mia passierte, wollte und durfte er sich generell auf keine ernsthafte Beziehung mehr einlassen.
Maries Tod hatte ihm das Herz zerrissen, ihm buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen, denn es gab eine Zeit, da bedeutete ihm seine Exfrau alles. Noch immer trauerte er um sie.
Durch die danach übernommene Verantwortung war sein Leben viel komplizierter geworden. Darum hatte er sich dazu entschlossen, sich nur noch auf One-Night-Stands mit willigen Bitches einzulassen.
Diese fand er im Club zur Genüge. Frauen, die dachten, sie seien außergewöhnlich schön und etwas Besonderes, die dem Trugschluss unterlagen, ihn für eine Beziehung gewinnen zu können, nur weil sie seinen Schwanz gut geblasen hatten.
Wenn es dann doch vorkam, dass eine Frau zu aufdringlich wurde, ihn bis in den Club stalkte, gab es zum eigenen Schutz das Hausverbot. Denn rumgemacht und gevögelt wurde nur einmal. Im privaten Hinterzimmer seines Arbeitsbereichs, der dem öffentlichen Publikumsverkehr nicht zugänglich war. Noah verheimlichte seine Einstellung nicht. Dass er keine weiteren Treffen wollte, klärte er vorher. Nur in Ausnahmefällen traf er sich mit einer Frau ein zweites oder drittes Mal. Aber mal ehrlich … Fuck, was ist dabei?, so dachte er. Er mochte Frauen. Nur Gefühle ließ Noah außen vor.
Das hatte er an Maries Grab geschworen, als es darum ging, ihren letzten Wunsch zu erfüllen, der sein Leben verändert hatte. Und endlich war es ihm gelungen, sein Herz zu verschließen, und das würde er für keine Frau mehr öffnen – auch nicht für Emilia.
Noah hatte die Unterarme auf den Tisch gelegt. Er bemerkte, wie Emilia die Motive seiner Tattoos betrachtete.
»Gefallen sie dir?« Sie nickte. »Wo hast du sie machen lassen?«
»Bei einem ehemaligen Bekannten in Hamburg, der dort ein Tattoostudio betreibt.«
Emilia lächelte … Ein schönes Lächeln.
»Hat das Stechen wehgetan?«
»Emilia, wir sind nicht wegen meiner Tattoos hier!«
»Aber du hast mit dem Thema angefangen.«
»Stimmt.«
Noah fuhr sich durchs Haar und überlegte eine Antwort. »Es ist ein Gefühl, als ob dich Wespen stechen, also auszuhalten.«
Er schmunzelte. Es gefiel ihm, wie sie die Augen aufriss und ihr Blick zwischen seinem Gesicht und den Motiven hin und her wanderte. Emilia machte eine bewundernde Miene, als ob sie sich gerade vorstellte, wie er damals wohl auf dem Tattoostuhl gesessen hatte und ohne mit einem Muskel zu zucken, die stundenlange Prozedur über sich ergehen ließ. Wenn Emilia wüsste, wie er während jeder Sitzung die Zähne zusammengebissen hatte, um sich nichts anmerken zu lassen. Lee hätte ihn sonst eine Pussy genannt. Der Kunde hat zu schweigen und zufrieden zu lächeln, wenn die Nadel sich mit der Haut vergnügt, pflegte der Tätowierer stets zu seinen Kunden zu sagen. Noah hatte geschwiegen. Na ja … Gelächelt eher weniger. Er stand nicht so auf Schmerzen.
»Haben die Motive eine bestimmte Bedeutung?«, wollte Emilia wissen.
Noah nickte. »Auf dem linken Oberarm habe ich das Marquesas Kreuz mir stechen lassen, das die vier Weltrichtungen symbolisiert.«
Er zeigte Emilia den Arm und schob den Stoff des T-Shirts ein Stück höher. »Es bedeutet Gleichgewicht, Harmonie, Stabilität und Ruhe.«
Noah erklärte noch weitere Motive, welche Tiere und Zeichen er auf der Haut trug. Es überraschte ihn, wie gespannt Emilia zuhörte, dass es ihm vorkam, als ob sie sich tatsächlich für die Maori-Kultur interessierte. Doch als er bemerkte, wie Emilias Augen zu leuchten begannen, sich ihr Gesicht wie vorhin auf der Straße rötete, brach er ab. Um Himmels willen, bitte nicht noch eine Angestellte, die sich in mich verliebt!, stöhnte Noah innerlich. Dass er Emilia nicht gleichgültig war, den Verdacht hatte er schon eine Weile.
»Was magst du trinken? Kaffee, heiße Schokolade?«, fragte Noah Emilia und winkte die Bedienung heran. »Ich trinke selten Kaffee, ab und zu Cappuccino. Jetzt mag ich lieber Pfefferminztee.«
»Tee?« Noah lachte leise. »Eine Studentin, die Kräutertee mag? Ich dachte, ihr Superschlauen steht nur auf Koffein?«
Eine blonde Kellnerin kam an den Tisch und wollte eine Speisekarte reichen, aber Noah winkte ab, zeigte erst auf Emilia, dann auf sich. »Für sie einen Pfefferminztee, für mich bitte einen doppelten Espresso.«
Während sie auf die Getränke warteten, fragte Noah Emilia über das Studium aus. Es beeindruckte ihn, dass sie Informatik und Mathematik studierte.
Sie strahlte ihn an. »Wenn du mal Probleme mit deinem PC oder Laptop hast, dann kann ich dir bestimmt helfen … Ich meine, wenn du willst.«
Mit der Zungenspitze leckte sich Emilia langsam über die Unterlippe und lächelte.
Fuck!
Diesen Gesichtsausdruck kannte er zu gut … Den setzten Frauen auf, wenn sie ihn anmachten. Er blinzelte. Versucht Emilia, mit mir zu flirten?, schoss es ihm in den Kopf. Sofort Themawechsel, sonst mach ich noch mit.
Noah räusperte sich. Er wartete, bis die Kellnerin die Getränke serviert hatte und verschwand. »Also, Emilia. Ich möchte, dass du bei uns im Club bleibst und selbstverständlich rede ich mit Jochen, dass er so nicht noch einmal mit dir …«
»Du hast es mitbekommen?«, unterbrach sie ihn und nippte am Tee. Er nickte. »Hab ich und es tut mir leid, was passiert ist. Jochens Verhalten ist nicht zu entschuldigen. Ich sorge dafür, dass er nie wieder so mit dir spricht. Aber …«
»Aber …?« Erneut leckte Emilia über ihre Unterlippe, während sie ihn mit großen Augen ansah. Verdammt, Emilia, sieh mich nicht so an und hör auf, das mit deiner Zunge zu machen!, dachte Noah ärgerlich. Gegen seinen Willen zuckte sein Schwanz in der Hose. Die Jeans wurde mächtig eng und das beunruhigte ihn.
»Flirtest du mit mir?«, brach es aus ihm heraus. »Hör sofort auf damit!«
Emilia starrte ihn an. »Ich tue was?«
»Du flirtest. Das merke ich doch.« Er hatte sie ertappt, ihr Blick flackerte. Sie fand ihn definitiv scharf. Mit einem Seufzer legte sie ihre Hand auf die Brust. »Ich versichere dir, ich habe nicht geflirtet.«
»Klar.«
»Du täuschst dich«, stritt sie ab. »Ich habe das nicht gemacht.« Sie bekam rote Flecken am Hals, und nun konnte sie es nicht mehr verbergen, dass sie gelogen hatte.
Noah lächelte kopfschüttelnd. »Pass auf, Emilia, wenn es darum geht, kann mir keine Frau was vormachen. Aber damit das klar ist …« Er streckte den Arm aus und hob mit dem Zeigefinger ihr Kinn. »Versteh mich bitte nicht falsch. Du bist ein hübsches Mädchen, aber ich will nichts von dir.« Bullshit. Emilia hat keine Ahnung, dass ein Fingerschnippen reicht, und schon hat sie mich an den Eiern.
Ihr nun finsterer Blick machte seinen Schwanz jetzt richtig hart.
»Okay, ich habe dich verstanden. Du musst nicht noch länger darauf herumreiten.« Obwohl Emilia das sagte, leckte sie wieder über die Unterlippe. Hat sie einen Zwang? Die Frau macht mich wahnsinnig!
Da saß ihm Emilia in lila Hosen und gepunktetem Shirt gegenüber und gleich platzte ihm die Hose. Noah konnte sich nicht wehren, plötzlich stellte er sich vor, sie würde statt diesen langweiligen Klamotten ein schwarzes Kleid tragen, eng geschnitten. Ihre Brüste würden herausquellen und der Stoff über ihren breiten Arsch spannen.
O Gott … Was stelle ich mir gerade vor?
Warum war ich nur auf die dumme Idee gekommen, mit ihr das Café aufzusuchen?
Er musste sofort den Laden verlassen. Hastig sprang Noah auf, zog einen geknüllten Zwanziger aus der Hosentasche und warf ihn auf den Tisch. »Lass uns abhauen!«, sagte er schärfer als beabsichtigt. Emilia starrte zuerst verwundert auf seinen unberührten Espresso, dann auf den Geldschein. Schließlich erhob auch sie sich von ihrem Platz.
»Bist du immer so großzügig?«, erkundigte sich Emilia spöttisch.
»Ja, immer.«
»Aha.«
Dieses Aha … Was geht denn jetzt ab? Ich komme gleich in meiner Hose und sie denkt darüber nach, ob ich ein bescheuerter Snob bin? Noah merkte, er musste so schnell wie möglich aus der Situation flüchten. Wieso passiert das hier?, überlegte er und warf einen Blick auf seine Uhr. Wir saßen knapp eine halbe Stunde im Café und ich steh kurz davor, meine Vorsätze, mit Emilia nichts anzufangen, in den Wind zu schießen? Für Noah ging das gar nicht, was sie in ihm auslöste.
Während sie nebeneinander zum Club zurückgingen, war die Stimmung zwischen ihnen angespannt. Als sie den Hintereingang erreichten, atmete er erleichtert auf.
Bloß weg von dem Mädchen, bevor ich mich nicht mehr beherrschen kann und sie in mein Bett verschleppe!

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Impressum - Leseproben

Erste Auflage 2018
Copyright © 2018 by Jenna Stean
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Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

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