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Emilia und Noah - Wie lebt man mit einem Bad Boy (Teil 3)

Über das Buch

Am 01. Juli 2018 veröffentlichte Jenna Stean den Liebesroman Mia und Niklas – Keine Liebe ist auch keine Lösung, am 12.12.2018 folgte das Spin-off Emilia und Noah – Wie zähmt man einen Bad Boy? und am 31.03.2019 der 2. Teil der Emilia und Noah Trilogie, Emilia und Noah – Wie hält man einen Bad Boy?. Mit Erscheinen des 3. Teils der Trilogie, Emilia und Noah - Wie lebt man mit einem Bad Boy, am 30. April 2019 ist diese nun vollständig und ab 02.Juni 2019 auch als Sammelband erhältlich ( Emilia und Noah – Die Bad Boy - Trilogie)

Auf dieser Seite geben wir Ihnen erste Einblicke in die Handlung von Teil 2 und hoffen somit, Sie für den Roman begeistern zu können. Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen hier bereits den Klappentext, die Cover, Informationen über die Hauptfiguren sowie diverse Leseproben an.

Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim Besuch dieser und der folgenden Seiten.

Emilia und Noah - Wie lebt man mit einem Bad Boy (Teil 3)"

Erscheint: 30.April 2019 bei Amazon
Seitenzahl: 459 (eBook), 323 (Druck)
Preis: 0,99 € eBook (Einführungspreis), 9,99 € Druck
ISBN: 978-1095784150

Klappentext

Die Beziehung zwischen Emilia und Noah ist trotz der Entfernung intensiv. Emilia hat sich zu einer selbständigen Frau entwickelt, ist nicht mehr das süße Mädchen, das zu Noah aufschaut. Und Noah hat sich zu ihr bekannt, beherrscht nach schweren Kämpfen seine inneren Dämonen. Emilia und Noah haben sich gegenseitig bewiesen, dass sie uneingeschränkt füreinander einstehen, weil sie sich lieben und brauchen. Doch als Emilia nach Berlin zurückkehrt und ihre Einzelpromotion beginnt, wird ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt. Ein Eifersuchtsanfall scheint alles, was sie sich mühsam aufgebaut haben, mit einem Schlag zu zerstören. Wird Emilia an ihrer Liebe festhalten oder ist Noah diesmal zu weit gegangen?

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Die Cover zum Buch

eBook


Taschenbuch

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Emilia und Noah - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Emilia Westphal, 21 Jahre

Familie: Einzelkind, Eltern leben in Berlin
Hobbys: Freunde treffen, Filme schauen, für Hobbys kaum Zeit

Beruf: studiert Mathematik und Informatik

Beziehungen: zwei Jungs

Charakter: zielstrebig, zuverlässig, hartnäckig

Äußeres: mittelgroß, schlank und kurvig, langes, schokobraunes Haar, braune Augen

Besondere Merkmale: keine, sollte an ihrem Kleidungsstil arbeiten

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Noah Schönfeldt, 33 Jahre

Familie: Eltern leben in Hamburg, Schwester in Berlin

Hobbys: mit Marc Fußball- und Handballspiele schauen, surfen, Frauen flachlegen

Beruf: Clubbesitzer

Beziehungen: geschieden, Ex starb an Überdosis

Charakter: selbstbewusst, loyal, verschlossen, nach schrecklichem Erlebnis in der Ehre und Seele verletzt

Äußeres: 1,90 groß, muskulös, schulterlanges blondes Haar, blaue Augen

Besondere Merkmale: Maori-Tattoos, herausstechend ist das Marquesas Kreuz am linken Oberarm

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Kapitel 1 - Emilia

Seine Lippen waren warm und weich. »O Emmi«, seufzte Noah. Emilia öffnete ihren Mund, um ihm Einlass zu gewähren. Ohne zu zögern, glitt seine Zunge hinein und ihre Lippen verschmolzen miteinander. Leise stöhnend drückte Noah Emilia an sich, und sie vergrub ihre Hände in sein Haar. Es war das vertraute Gefühl von Zuhause, ihn zu schmecken, zu riechen, zu fühlen.
Egal was er ihr in den letzten Wochen angetan hatte, sie schaffte es nicht mehr, gegen ihre Liebe anzukämpfen. Mit seinem uneigennützigen Handeln hatte er ihr bewiesen, dass er noch eine Chance verdiente.
Als sie ihn in Hamburg abgewiesen hatte, war sie davon ausgegangen, dass es zwischen ihnen vorbei wäre. Zu sehr hatte er sie mit seinem harten, unberechenbaren Verhalten verletzt.
Aber allein die Tatsache, dass er sich um alles gekümmert hatte, damit sie in Hamburg mit dem Master sorgenlos durchstarten konnte, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, war für Emilia nur überwältigend gewesen.
Noahs Hände glitten über ihre Arme zu den Schultern. Mit den Fingern umfasste er ihr Gesicht und unterbrach den Kuss. Sein heißer Atem streifte ihre Haut, während er mit den Daumen ihre Wangen streichelte und Emilia mit glänzenden Augen ansah. »Ich liebe dich so wahnsinnig, Emmi. Alles, was ich Schlimmes getan habe, tut mir unsagbar leid.«
»Ich weiß«, flüsterte Emilia und nickte lächelnd.
Kopfschüttelnd wanderte sein Blick über ihr Gesicht, als ob er jedes Detail in sich aufnehmen wollte. »Dass du bei mir bist, kann ich kaum glauben. Ich dachte, dich für immer verloren zu haben.«
Er neigte sich erneut zu ihrem Mund. Sanft fuhr seine Zungenspitze über ihre Lippen, drängte in den Spalt hinein. Erst tanzten ihre Zungen miteinander, bald wurde ihr Kuss fordernd und hungrig.
Langsam löste sich Emilia von Noah, und nur widerwillig entließ er ihre Zunge aus seinem Mund. Es schien, als ob er die schlechten Erinnerungen mit dem Kuss vertreiben wollte. Beide atmeten schwer, ihre Gesichter glühten, während Noah Emilia noch enger an seine Brust zog. Sie konnte das heftige Klopfen seines Herzens hinter den Rippen spüren. Auch ihren Puls hörte sie im Kopf pochen.
Emilia sah ihm eine Weile in die Augen. Noah hielt den forschenden Blick stand. »Bitte, enttäusche mich nicht. Noch eine deiner kalten Abfuhren halte ich nicht aus«, flüsterte sie.
»Nein, ich will alles dafür tun, dass wir das diesmal hinbekommen, auch wenn du die nächsten Monate nicht bei mir bist«, versprach er und strich mit den Lippen über ihre Stirn. Noahs Hand wanderte unter ihr Haar, massierte ihren Nacken, und Emilias Kopf ruhte an seiner Schulter. »Ich muss aber wieder nach Hamburg zurück«, murmelte sie.
»Kannst du …« Noah schluckte, seine Stimme klang heiser. » … nicht hier übernachten?«
»Wenn du mich früh weckst und mir einen Tee zubereitest, würde ich vielleicht zustimmen.« Schmunzelnd sah sie zu ihm hoch.
Noahs Augen blitzten auf und ein Strahlen breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er seinen Blick zu Emilia senkte. »Ich würde dich selbst direkt zur Uni bringen, wenn du bis morgen bleibst.«
»Das musst du nicht. Aber ich könnte am Wochenende wieder herkommen, wenn du willst«, schlug Emilia vor. Dass sie in Hamburg studierte, machte ihr noch immer ein schlechtes Gewissen.
»Das könntest du, um deine Freunde zu treffen. Leider bin ich die nächsten Tage im Club eingespannt, weil Jonas und Paul ausgefallen sind. Sie liegen wegen einer Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus.«
»Echt?« Emilia schob Noah ein Stück von sich. »Jannick ist ebenfalls betroffen, wie ich von Till erfahren habe.«
»Mit Till meinst du Jannicks Freund?«
»Ihr kennt euch?«
Noah lächelte abwinkend. »Nicht wirklich … Ich habe ihn zufällig gesehen.«
»Ach so?« Sie runzelte die Stirn, aber Noah legte seinen Arm um ihre Taille, zog sie ins Haus. »Ich erzähle es dir später«, wich er aus.
Emilia konnte sich schon denken, dass er Till über Jannick kennengelernt haben musste. Woher sollte Noah sonst von ihrer Wohnungsnot in Hamburg gewusst haben? Vermutlich hatte es ihr bester Freund Noah gesteckt, als er ihm den Stick gebracht hatte. Dass sie ein neues Auto gebraucht hatte, war definitiv eine Info von Aron gewesen. Da würde sie noch mal selbst nachhaken, was die Männer damals besprochen hatten. Sauer war sie deswegen nicht. Noah hatte sein Wissen genutzt, um ihr zu helfen, und nur das war am Ende wichtig.
Kaum war die Haustür ins Schloss gefallen, lagen sie sich wieder in den Armen. Aber diesmal war ihr Kuss nicht stürmisch, sondern langsam und zärtlich. Ihre geschwollenen Lippen liebkosten sich, während sich ihre Körper aneinanderschmiegten. Noah streichelte mit den Fingerspitzen Emilias Hals, und ihre Hände bewegten sich kreisend über seinen Rücken.
»Wenn du wüsstest, wie ich es vermisst habe, dass du mich so berührst«, sagte Noah dicht an ihrem Ohr, zupfte mit den Lippen an ihrem Ohrläppchen.
»Und ich habe deine Küsse vermisst«, wisperte Emilia. Sie nahm eine Hand vom Rücken und fuhr mit dem Zeigefinger den Schwung seiner Unterlippe nach, bot ihm ihren leicht geöffneten Mund an, damit er sie wie zu Beginn leidenschaftlich küsste.
Lächelnd sah Noah auf ihre Lippen. »Das ging mir genauso, vor allem der süße Geschmack deiner Zunge«, flüsterte er. Doch bevor es zu einem weiteren Kuss kommen konnte, vernahmen sie ein Klingeln an der Tür.
Stirnrunzelnd seufzte Noah. »Meine Eltern und Linus sind von ihrem Ausflug ins Spaßbad zurück. Die kleine Wasserratte wollte unbedingt dorthin.«
Emilias Blick huschte zur Tür. »Stimmt, deine Eltern sind hier. Hoffentlich stellen sie keine unangenehmen Fragen.«
»Weil du bei mir bist?« Noah hauchte einen Kuss auf ihre Nasenspitze. »Sie werden sich freuen. Meine Mutter war traurig, dass wir uns getrennt hatten.«
Noch einmal klingelte es an der Tür, diesmal länger und energischer. »Dad, mach auf!«, hörten sie Linus rufen. »Junge, klingle nicht die Nachbarschaft zusammen«, vernahmen sie die tiefe Stimme von Joachim.
Bevor draußen noch mehr Krach gemacht wurde, ließ Noah von Emilia ab und öffnete die Haustür.
»Siehst du, Achim, ich sagte doch, dass das Emilias Auto ist«, war das Erste, was Vera freudestrahlend von sich gab, als sie mit ihm und dem Jungen den Flur betrat. Noahs Vater ließ die große Tasche auf den Boden plumpsen, Linus’ Rucksack landete daneben. Die drei hatten rote Augen und rochen nach Chlor.
Mit ausgestreckten Armen eilte Vera auf Emilia zu, umklammerte ihre Schultern, um sie von Kopf bis Fuß zu mustern. »Sag bloß, ihr seid …« Es schien, als ob sie sich nicht traute, die Frage vollständig auszusprechen.
Emilia reagierte achselzuckend. Sie war gerade ein paar Minuten hier. Dass es so schnell feststand, dass Noah und sie wieder ein Paar wären, überforderte sie etwas. Sie wünschte es sich, aber sie mussten auch über die unschönen Dinge reden, die zwischen ihnen vorgefallen waren.
Trotzdem fühlte es sich richtig an, dass sie es miteinander versuchen wollten, und darum nickte Emilia mit einem vorsichtigen Blick zu Noah, der sie erwartungsvoll ansah.
Unsicherheit flackerte in seinen Augen, wie sie reagieren würde. »Sind wir«, antwortete Emilia und blinzelte Noah zu, der geräuschvoll die Luft ausstieß. Seine Erleichterung war ihm anzusehen.
»Nun kommt ins Wohnzimmer, damit ich die Tür schließen kann«, sagte Noah schnell und schob Linus noch ein Stück in den Flur hinein, um an die Klinke zu kommen.
Schweigend musterte der Junge Emilia, wie sie aus dem Augenwinkel mitbekam, während sie von Noahs Eltern zur Begrüßung gedrückt wurde. Dass er sich offensichtlich wunderte, war nachvollziehbar.
»Hattest du nicht viele Sachen mit deiner Familie zu klären und warst deshalb nicht mehr bei uns?«, wandte sich Linus an Emilia, nachdem er fragend zu Noah geblickt hatte und sie nicht mehr von Vera und Joachim in Beschlag genommen wurde. Bevor Noah sich mit einer zusammengereimten Ausrede einmischen konnte, erhielt Linus von Emilia eine Antwort.
»Hatte ich, aber mittlerweile ist alles geklärt.«
»Du bleibst jetzt bei uns?«
Noah und seine Eltern pressten die Lippen zusammen. Es war eine unangenehme Frage, weil Linus keine Ahnung hatte, dass Emilia nicht mehr in Berlin wohnte.
Na super. Nun musste sie sich für ihn noch eine plausible Erklärung einfallen lassen. Das war ihr sofort klar, als sie die hilflosen Gesichter um sich herum betrachtete.
»Leider nur an den Wochenenden und in den Semesterferien. Ich habe in Berlin keinen Studienplatz mehr und bin nach Hamburg gewechselt.«
»Aber du hattest doch in Berlin studiert?«
»Ja, schon, aber als ich mich in Hamburg beworben hatte, war ich mit deinem Papa nicht zusammen … Und dann habe ich die Rückmeldung verpasst. War mein Fehler.«
Linus zuckte die Schultern und setzte eine verständnisvolle Miene auf. »Macht nichts, Emilia, wir können dich besuchen oder du uns. Das klappt schon.«
Schmunzelnd nickte Emilia bei so viel Nachsicht. »Das sehe ich auch so«, stimmte sie dem Jungen zu.
Linus betrachtet meinen Uniwechsel als völlig normale Gegebenheit, erkannte sie. Solche Probleme unkompliziert anzusprechen, war ein Wesenszug vom Kleinen, der Emilia jedes Mal aufs Neue überraschte.
»Ich schlage vor, Linus, du gehst mit Opa auf die Terrasse. Der Wäscheständer ist noch nicht weggeräumt und ihr hängt die Schwimmsachen und Badetücher zum Trocknen auf«, schlug Vera vor.
»Okay«, Linus schwang den Rucksack über die Schulter und griff Joachims Hand. Noahs Vater bückte sich zur Tasche, packte sie an den Henkeln und ließ sich widerstandslos vom Jungen mitziehen.
Vera schaute den beiden hinterher, als sie in das Wohnzimmer gingen, um von dort auf die Terrasse zu gelangen. Dann seufzte sie zufrieden und wandte sich Emilia und Noah zu. »Meint ihr nicht, es wäre besser, ihr seid für euch allein? Bestimmt wollt ihr in Ruhe miteinander sprechen.«
»Ihr würdet noch bleiben, statt heute abzureisen?«,
erkundigte sich Noah. »Dann könnte ich für eine Nacht zu Emmi nach Hamburg fahren.« Er nahm Blickkontakt zu Emilia auf, um zu sehen, ob sie einverstanden wäre, dass er bei ihr im Wohnheim übernachtete.
»Wenn das okay für euch ist?«, willigte Emilia ein.
»Auf alle Fälle«, versicherte Vera. Ihr Lächeln war so warm, dass Emilia sie am liebsten in den Arm genommen hätte. Noah war anzusehen, dass er ähnlich fühlte. »Ihr bringt morgen Linus in die Kita. Hannah kümmert sich nachmittags um den Jungen, weil ich in den Club muss.«
»So hatte ich es mir gedacht. Fahrt beide nach Hamburg, redet, genießt die Stunden zu zweit.« Vera machte einen Schritt auf Noah zu, strich ihm über die Wange und sagte zu ihm: »So weit ich weiß, hast du gerade viel zu tun. Da habt ihr kaum Gelegenheit, euch zu sehen.«
»Das ist leider so. Ich hoffe, es fallen nicht noch mehr Leute aus.«
»Was ist leider so?« Joachim kam mit Linus zurück.
»Ich bleibe für eine Nacht bei Emilia in Hamburg. Morgen muss ich wieder in Berlin sein, zu hoher Krankenstand im Club«, erklärte Noah.
Linus klatschte in die Hände. »Ich bin mit Oma und Opa allein?«, fragte er mit breitem Grinsen.
Mit einem Seufzer nickte Noah. »Ja, und sie werden dich von vorne bis hinten verwöhnen, wie schon die vergangenen Tage.«
»Ach wirklich?« Emilia war überrascht, weil sie Noahs Eltern für streng gehalten hatte, zumindest, was Erziehungsfragen gegenüber Noah betraf, als der ein Kind war. Es hatte erst den Anschein, dass sie mit Linus nicht anders umgehen würden.
»Ach, Noah. Wann kommen wir schon zu Besuch, da müssen wir unseren Enkel ein bisschen verwöhnen dürfen«, konterte Vera.
»Na ja, ob man das so nennen kann, was ich im Kühlschrank alles vorgefunden habe.« Lachend machte sich Noah zum Schlafzimmer auf, verharrte und schaute zu Emilia über die Schulter. »Ich packe ein paar Sachen zusammen, bin gleich bei dir, Baby.«
»Baby?« Linus kicherte hinter vorgehaltener Hand. »Dad nennt dich Baby?«, vergewisserte er sich bei Emilia.
Sie hob verlegen die Schultern. »Ja, das sagt er manchmal zu mir.«
»Klingt wie im Fernsehen, da sagen die Männer auch zu ihren Frauen Baby.«
Emilia stupste mit dem Finger gegen Linus’ Nase. »Glaub mir, wenn du älter bist, wirst du deiner Freundin ebenso einen Kosenamen geben«, zog sie ihn auf.
Linus machte große Augen und wehrte mit den Händen ab. »Nein, nein … Niemals!«
»Oh, doch«, warf Vera lachend ein. »Weißt du, wie ich Opa früher genannt habe?« Sie zwinkerte verschwörerisch Joachim zu, der mit einem Knurren reagierte. »Du willst wohl, dass ich vor dem Jungen erröte«, brummte der.
»Meine Mutter nannte ihn Bärchen«, tönte es vom Schlafzimmer. Noah kam schmunzelnd mit der gepackten Tasche zu ihnen.
»Besser, ihr fahrt los, bevor noch mehr Peinlichkeiten verraten werden«, entrüstete sich Joachim und drückte Noah an sich. Emilias Blick wanderte zwischen den Männern und Vera hin und her. Noahs Mutter lächelte nickend. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn schien immer herzlicher zu werden.
Noah beugte sich zu Linus, gab ihm einen Kuss zum Abschied und zauste sein Haar, danach umarmte er seine Mutter, bevor Emilia sich von der Familie verabschiedete.
Als sie auf der Straße standen und die Tür von innen verschlossen war, sah Noah Emilia mit seinen leuchtend blauen Augen an. Sein Blick war so intensiv, dass sie ein erregender Schauer durchfuhr. Sie räusperte sich. »Soll ich dir hinterherfahren?«
Noah schüttelte den Kopf. »Nein. Ich will jede Minute bei dir sein, deshalb fahre ich in deinem Auto mit.«
»Und wie willst du morgen nach Hause kommen?«
»Entweder fliege ich oder nehme den ICE.«
»Okay.« Freudig reckte Emilia ihr Gesicht Noah entgegen und er neigte sich zu ihr, damit sie ihm ihre Lippen auf den Mund drücken konnte. »Aber du solltest wissen, dass ich nichts zu essen im Kühlschrank habe. Wir müssten zwischendurch noch irgendwo anhalten«, sagte sie.
»Wir holen uns Wein und eine Kleinigkeit von der Tanke … Aber nun komm. Ich will so schnell wie möglich in deiner Wohnung sein.«
»Nur zum Reden?«, wollte Emilia wissen. Sie suchte Noahs Hand und verschränkte seine Finger mit ihren. Es war nach Emilias Meinung wichtig, dass sie sich aussprachen, aber gleichzeitig merkte sie, dass ihr Verlangen Hitzewellen vom Herzen bis zum Unterleib pulsieren ließ. Doch da sie selbst zu Noah noch gestern Abend gesagt hatte, dass Sex ihre Probleme nicht lösen würde, war es ihr ein bisschen peinlich, zuzugeben, dass sie mit ihm schlafen wollte.
Noah blieb abrupt stehen. Mit nachdenklicher Miene sah er sie an. »Ich will nicht nur reden, aber ich will dich ebenso wenig bedrängen.« Er legte den Kopf in den Nacken, fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und atmete tief durch, bevor er sich ihr wieder zuwandte. »Mann, Emmi, du weißt, dass ich verrückt nach dir bin, aber ich will diesmal keinen Fehler machen.«
»Tust du nicht. Wir werden genügend Zeit haben, an uns zu arbeiten, um nicht noch einmal unsere Beziehung aufs Spiel zu setzen. Und darum lass uns hier nicht länger herumstehen, sondern ins Auto steigen und losfahren.«

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Kapitel 2 - Noah

»Die erste Nacht in meinem neuen Wohnheimzimmer und die verbringe ich mit dir«, schwärmte Emilia, als Noah seine Tasche auf die Rückbank stellte. Doch bevor sie sich auf den Weg machen konnten, gab es eine hitzige Debatte. Sie mussten sich einigen, wer hinter dem Lenkrad sitzen sollte. Noahs Argument, dass er schneller als Emilia Hamburg erreichen würde, hatte sie nicht von der Hand weisen können. Wo sie über die Autobahn mit gemütlichen 100 Stundenkilometern fuhr, raste er auf der linken Spur mit doppelter Geschwindigkeit. Also war rasch geklärt, wer auf der Fahrerseite sitzen würde.
Während der Fahrt lag Noahs Hand träge auf Emilias Oberschenkel. Statt sich zu unterhalten, hörten sie Musik, und beide hingen sie ihren Gedanken nach.
Noah warf einen kurzen Blick zu Emilia, die aus dem Fenster blickte. Woran sie wohl gerade dachte?
Er musste zugeben, dass er sich wünschte, Emilia bräuchte nicht nach Hamburg, sondern hätte bei ihm bleiben können. Wobei es noch schöner wäre, sie würde in Berlin studieren. Doch er konnte nicht alles haben, und dass sie wieder zueinandergefunden hatten, sollte er als kostbares Geschenk betrachten.
Wir werden anderthalb Jahre meist getrennt sein. Ich habe kaum Zeit, sie ist mit dem ganzen Unikram beschäftigt. Hoffentlich hat das keine zu große Auswirkung auf unsere Beziehung.
Für Noah wäre es perfekt gewesen, sie hätte das Semester ausgesetzt und später in Berlin angefangen. Aber gleichzeitig war ihm klar, dass solch ein Umstand Emilia unglücklich gemacht hätte. Das war der Grund, dass er bereit war, auf eine Beziehung mit ihr zu verzichten, wenn das Problem mit Lee nicht aus der Welt geschafft worden wäre. Noah wusste, dass es in einer Beziehung schwierig werden würde, wenn ein Partner, statt seine Möglichkeiten auszuschöpfen, zurückstecken musste. Marie hatte für ihn auf Beruf und Kinder verzichtet, damit er seine Karrierepläne verwirklichen konnte. Noahs Exfrau hatte ihre Unzufriedenheit mit Drogen und Bettgeschichten betäubt. Am Ende war die Beziehung daran zerbrochen. Noch einmal wollte er das nicht miterleben. Emilia sollte eine Zukunft haben, wie sie sich diese vorstellte. Dafür würde er alles geben, was ihm möglich war: finanzielle Sicherheit, Vertrauen, Liebe. Nie wieder wollte er Emilia enttäuschen. »Schau, dort könnten wir einen Stop einlegen, um zu tanken und ein paar Sachen einzukaufen.« Noah nahm die Hand von Emilias Bein und deutete auf das Tankstellenschild.
»Während du tankst, hole ich uns was aus dem Laden«, entschied Emilia, als Noah neben der Zapfsäule hielt.
Der Parkplatz war fast leer, weil es schon sehr spät war.
Nachdem Noah getankt hatte, suchte er sich einen abgeschotteten Platz, weil die Blase drückte. Öffentliche Toiletten mochte er nicht. Dann folgte er Emilia in den geräumigen Einkaufsbereich.
Stirnrunzelnd sah er sich zwischen den Regalen um. Als er Emilia erblickte, zuckten seine Mundwinkel amüsiert. Sie war mit Wein, Wasser, Teepackung, Cracker und zwei Pizzen beladen. Mit Mühe balancierte sie die Waren zur Kasse.
Bevor sie ihr Geld aus dem Portemonnaie gefummelt hatte, reichte Noah dem Kassierer seine Kreditkarte. Den Protest auf Emilias Lippen unterband er mit einem Kuss.
Nachdem die Rechnung beglichen war, schob Noah die Brieftasche in die Jeans und packte die Einkäufe in eine Plastiktüte.
»Kommst du?«, raunte er Emilia zu, die neben der Kasse verharrte und in einer Zeitschrift blätterte. Ein Artikel über London hatte es ihr angetan.
Noah beugte sich zu Emilia. »Ah, London, tolle Stadt.«
»Du warst schon dort?«, wandte sie sich an Noah und legte die Zeitschrift zurück.
»Mehrmals. Du noch nicht?«
»Nein, als ich auf dem Gymnasium war, fand mit einem Bus eine Klassenfahrt nach London statt. Leider war ich krank geworden und konnte nicht mitfahren. Irgendwann werde ich nach London fliegen und mir die Stadt ansehen. Ein großer Traum von mir.«
Noah nickte. »Das solltest du auf jeden Fall.«
Am Auto angekommen, stellte Noah die Einkäufe auf die Rückbank neben seine Tasche. »Wie lange brauchen wir noch«, fragte Emilia und sah zu Noah, als er zu ihr stieg.
»Keine Stunde mehr.«
»Also sind wir gegen elf bei mir. Wow, Noah, das geht ja schnell.«
»Genau, und deshalb fahre ich den Wagen«, sagte er mit einem spitzbübischen Grinsen, das Emilia mit einem Stöhnen quittierte.

Am Wohnheim angekommen, suchte Noah einen Parkplatz. Um die Uhrzeit waren die meisten besetzt, aber schließlich fanden sie einen, der nicht zu weit entfernt war. Sie fuhren die drei Etagen mit dem Aufzug hoch und Emilia spürte, wie sich ihr Magen vor Aufregung zusammenzog.
Noah blieb dicht an Emilias Seite, als sie bis zum Ende des Gangs zur Wohnung gingen.
»Ich komme mir wie ein pubertierender Teenager vor, der das erste Mal seine Freundin besucht«, gestand Noah grinsend.
»Na ja, in gewisser Weise ist es wie ein erstes Mal.« Emilia zwinkerte ihm zu und schloss die Tür auf.
»Darf ich dich in mein Reich hineinbitten?« Sie schaltete das Licht an und machte mit der Hand eine einladende Geste.
Nachdem die Jacken am Garderobenhaken hingen, Sneakers und Boots ausgezogen waren, trug Noah die Plastiktüte in die Küche und räumte die Einkäufe aus. Mit seiner Tasche begab er sich zu Emilia ins Wohnzimmer. Sie stand schweigend in der Mitte des Raums, ließ die Farben und die Einrichtung auf sich wirken.
»Und … Gefällt dir die Wohnung? Habe ich deinen Geschmack getroffen?«, wollte Noah wissen und rieb sich mit einem vorsichtigen Lächeln den Nacken. Abwartend musterte er Emilia.
»Es ist … wunderschön. Wie hast du das alles geschafft? Und woher wusstest du, dass ich einen Fernseher und Rechner benötige?« Emilia sah ihn fragend an.
Noah streckte die Hand aus und zog sie an seine Brust. Sie schmiegte sich an ihn und schlang die Arme um seine Hüften.
»Ich hatte mir Zeit genommen, um die Möbel auszusuchen und hierher zu bringen. Dann erinnerte ich mich, wie du einmal gesagt hattest, dass du Pastelltöne magst. Deshalb hatte ich die Wände in hellem Lindgrün gestrichen. Und, nun ja … Von meiner Mutter wusste ich, dass du nur den Laptop in Hamburg hast. Deshalb kaufte ich dir neue Geräte.« Noah fuhr mit der Hand unter Emilias Haar die Wirbelsäule hinauf und hinab, die andere ruhte auf ihrer Taille. »Das Bad und die Küche waren die größte Herausforderung. Meine Mutter hatte mich mit einigen hilfreichen Tipps ausgestattet, wie ich Kalkflecke im Bad und Verkrustungen auf Herdplatten wegbekomme. Mit normalen Putzmitteln funktionierte das nicht.« Noahs Finger verweilten zwischen Emilias Schulterblättern, sanft ließ er seine Fingerspitzen dort kreisen. »Damit du genügend Zeit für dein Studium und uns hast, würde ich gern die Miete übernehmen.«
»Ich weiß nicht, ob ich das möchte.« Emilia seufzte. »Du hast so viel für mich getan. Wenn du jetzt noch die Wohnkosten bezahlst, käme ich mir vor, als ob ich dich ausnutze.«
Noah zog die Augenbrauen zusammen. Er hob mit dem Zeigefinger ihr Kinn, damit sie ihn ansah. »Pass auf, Emmi, du weißt, dass ich mit dem Club gut verdiene. Du sollst dich mit finanziellen Dingen nicht belasten, sondern deine ganze Kraft in den Abschluss stecken. Wenn ich nur darüber nachdenke, wie du mir mit Jannick den Arsch gerettet hast … Deshalb ist es das Mindeste, dich wenigstens auf diese Weise zu unterstützen.«
»Trotzdem, Noah …«
»Keine Widerrede, Baby.« Noah senkte den Kopf, um Emilias Einwände mit einem Kuss zu stoppen. »Ich denke dabei keinesfalls nur an dich. Wenn du nicht extra arbeiten musst, hast du mehr Zeit für mich«, flüsterte er dicht an ihrem Mund.
»Einverstanden. Ich werde dich von deinem Vorhaben sowieso nicht abbringen können.«
»Da kannst du dir sicher sein.« Noah konnte sich ein Grinsen unmöglich verkneifen, und als Emilia schmunzelnd mit den Augen rollte, wurde es noch breiter. Doch im nächsten Moment wurde seine Miene ernst. »Ich möchte für dich sorgen. Du bist die Frau, mit der ich mein Leben teilen will. Und ich hoffe, dass die drei Semester schnell vorbeigehen. Ich vermisse dich, vor allem nachts, wenn ich nicht neben dir einschlafen kann und früh, wenn ich ohne dich aufwache.«
Emilia seufzte. »Glaub mir, Noah, das geht mir nicht anders. Ich vermisse dich jetzt schon, weil ich weiß, dass du morgen nach Berlin zurückkehrst.«
»Wirklich?« Noah erleichterte ihre Aussage, dass ihr die Trennung genauso schwerfiel wie ihm. Ein wenig hatte er Sorge, Emilia würde es in Hamburg zu gut gefallen, dass sie sich entfremden könnten. Denn mit Trennungen und Abstand kam Noah nicht gut zurecht. Er brauchte Nähe und Klarheit. Sich auf diese Fernbeziehung einzulassen, war für ihn schwierig, doch wenn er die Beziehung mit Emilia vertiefen wollte, musste er ihr Studium in Hamburg respektieren.
»Es wird die nächsten Semester nicht leicht, aber wenn wir beide kompromissbereit sind, wird das mit uns klappen.« Emilia löste sich aus seiner Umarmung. Sie drehte sich ihm zu, nahm sein Gesicht in ihre Hände und zog Noahs Kopf zu sich herunter. »Ich liebe dich, denke immer daran.«
»Ich versuche es«, versprach Noah.
Emilia lächelte ihm aufmunternd zu. »Babe, glaub mir. Wir schaffen das, wenn wir uns beide bemühen. Ich weiß, dass dich die Situation belastet.«
»Du nennst mich wieder Babe?« Noah erinnerte sich an die Nacht in Hamburg, als ihr das Wort herausgerutscht war. Eigentlich mochte er es nicht, mit einem Kosenamen bezeichnt zu werden. Doch Emilia würde er es nicht verbieten, wenn sie ihn so nennen wollte. Er biss sich auf die Lippe. Ihm war deutlich bewusst, dass Emilia ihm alles bedeutete. »Shit, Emmi, ich liebe dich so sehr.«
Emilia drückte ihm ihre Lippen auf das Kinn. »Ich weiß, und deshalb sollten wir die restlichen Stunden, die uns noch bleiben, nicht mit traurigen Gedanken schwermachen.«
Noah nickte und stieß die Luft aus. »Du hast recht. Ich schlage vor, ich kümmere mich um das Essen und du packst deine Sachen aus.« Er zeigte auf Emilias verschlossenen, vollen Taschen. »Du bist erst richtig eingezogen, wenn sie leer sind.«
»Ja, die habe ich einfach so stehen lassen«, sagte Emilia und kräuselte die Nase, »als wir … Äh, ich meine, als ich die mit Farbe bekleckerte Socke gefunden hatte. Ich bin aus der Wohnung raus, um zu dir zu fahren. Da habe ich nicht ans Auspacken gedacht.«
Wir? Noah runzelte die Stirn, aber bevor er Emilia fragen konnte, ob jemand bei ihr gewesen war, während sie die Wohnung in Empfang genommen hatte, hatte sie sich bereits ihren Taschen zugewandt und öffnete sie. Noah beobachtete, wie sie ihre Klamotten in den Schrankfächern verstaute und Papierkram auf den Schreibtisch legte. In seinem Kopf rasten die Gedanken. Gestern dachte er noch, die Beziehung zu Emilia wäre vorbei. Nun stand er in ihrer neuen Wohnung. Sie gab ihm eine Chance. Und das Letzte, was er wollte, wäre, Emilia zu enttäuschen, auch wenn dieses Wir ihm für einen Augenblick ein komisches Gefühl im Bauch bescherte und er Emilia am liebsten dazu ausfragen würde, wie sie das gemeint hätte. Jedoch wollte er sich darüber nicht länger den Kopf zerbrechen.
»Noah, willst du dich nicht jetzt langsam um das Essen kümmern?«
»Essen?« Noah schrak hoch. Er blinzelte und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar, während er auf dem Absatz kehrtmachte, um die Küche aufzusuchen. »Stimmt ja, ich wollte die Pizzen in den Ofen schieben«, murmelte er.
Noah verließ das Zimmer. Beim Aufreißen der Kartons hämmerte ihm immer noch das Wir im Schädel. Aber nachdem er den Herd eingeschaltet hatte, die Pizzen im Ofen zu backen begannen und der Tisch gedeckt war, verschwanden die negativen Gedanken.

»Noch einen Schluck Wein?« Emilia winkte ab. »Nein, danke, sonst werde ich müde.«
Emilia hielt die Hand vor den Mund, als sie ein Gähnen nicht unterdrücken konnte. Sie steckte sich ein Stück Pizza in den Mund und schob den halbvollen Teller zurück, als Zeichen, dass sie nichts mehr essen wollte.
»Das nächste Mal koche ich uns ein ordentliches Gericht«, schlug Noah vor. Fertigessen war nicht unbedingt nach seinem Geschmack, aber oft fehlte ihm die Zeit oder er war nach der Arbeit zu erschöpft zum Kochen.
»Was würdest du uns für kulinarische Leckereien zubereiten?«, wollte Emilia wissen, konnte dabei ein zweites Gähnen nicht unterdrücken. Ihre Augen tränten vor Müdigkeit.
Noah kratzte sich nachdenklich das stoppelige Kinn. »Cottage Pie wäre so ein Gericht. Der Auflauf stammt aus Irland. Schmeckt irre gut, mit Lammhack, Käse und Kartoffelkruste.«
»Hm, klingt vielversprechend. Dann erwarte ich, dass du das nächste Mal den Koch für mich mimst.« Emilia grinste. »Aber nackt, höchstens mit einer winzigen Schürze um die Hüften gebunden.«
Noahs Augen funkelten. »Das würde dir also gefallen?«
»Klar doch. In dem Outfit wärst du noch appetitanregender.«
»Ein Fehler, dass ich die Pizzen nicht nackt zubereitet habe.«
»Warum?«
Noah stand auf und räumte die Teller zusammen. »Weil du mir gleich auf dem Stuhl einschläfst.«
»Wir können ja trotzdem …«
»Du bist total müde, Emmi«, reagierte er kopfschüttelnd. »Wir gehen ins Bett, du musst dich ausschlafen.«
Noah machte sich auf den Weg zur Küche. Emilia kam mit den Gläsern und der halbvollen Weinflasche hinterher.
»Bist du sauer?«, fragte sie vorsichtig, als er zum Mülleimer gebückt die Reste entsorgte.
»Weil du jetzt mit mir nicht schlafen willst?«, fragte Noah und richtete sich auf.
»Habe ich nicht gesagt«, widersprach Emilia.
»Aber ich sehe es an deiner erschöpften Miene. Wenn du willst, streichle ich dich noch, bis du eingeschlafen bist.« Innerlich musste Noah lächeln. Er liebte es auch, Emilia einfach nur im Arm zu halten, sie mit seinen Händen zu liebkosen, ohne dass es dazu kam, dass sie miteinander schliefen. Sie auf diese Art zu verwöhnen, war ihm wichtig, obwohl er mit ihr den Sex genoss. Doch wenn sie keine Lust hatte, konnte er sich beherrschen.
»Ich kann dich ebenso streicheln, wo du es am liebsten hast.« Sie leckte sich verführerisch über die Unterlippe.
Noah zog eine Braue hoch. »Und mich damit so richtig scharf machen? Keine gute Idee.« Er räumte Teller und Besteck in die Spülmaschine, drückte die Klappe mit dem Knie zu und ergänzte: »Wenn wir morgens noch Zeit haben, kannst du das gern nachholen, aber heute Nacht sind meine Eier tabu.«
»Abgemacht.« Emilia ging ins Bad. »Soll ich dir deine Zahnbürste vorbereiten?«, rief sie ihm zu.
»Ich hab mein Zeug noch in meiner Tasche«, antwortete Noah und kramte seine Hygieneartikel heraus. Er schlenderte zu Emilia ins Bad, um sich wie sie für das Bett fertigzumachen.
Schweigend standen sie nebeneinander, grinsten ihren Spiegelbildern entgegen, während sie sich die Zähne putzten.
Emilia war vor ihm fertig. Sie kämmte sich die Haare, danach ging sie ins Zimmer zurück.
Noah knipste das Licht aus und schloss die Badtür. Jeans und Socken hatte er im Bad ausgezogen. Er warf die Klamotten über einen Stuhl, Emilia tippte noch auf ihrem Handy herum.
»Wann musst du aufstehen?«, fragte Noah und kletterte ins Bett. Er war froh, dass er Decke und Kissen in doppelter Ausführung gekauft hatte, weil es die Sachen im Angebot gegeben hatte. Dass er jetzt den Nutzen daraus zog, war beim Einkauf nicht vorhersehbar gewesen.
Emilia legte das Handy auf den Tisch. »Ich habe den Wecker schon auf halb acht gestellt.« Sie kicherte. »Dann haben wir morgen noch eine halbe Stunde für uns.« »Hauptsache, wir wecken nicht deine Nachbarn.«
»Keine Ahnung, wie dünn die Wände sind.« Emilia zog sich aus, nahm die Kette ab und kletterte nur in Slip zu Noah ins Bett.
Sie drehte sich von ihm abgewandt auf die Seite. »Du kannst mit deinem versprochenen Verwöhnprogramm anfangen«, sagte sie träge und rieb leicht provozierend ihren Po an seiner Mitte, nachdem auch er sich ihr zugewandt auf die Seite gedreht hatte.
»Es wird mir schwerfallen, mich zurückzuhalten«, presste Noah zwischen den Zähnen hervor, während er eine Hand über Emilias Rücken gleiten ließ, dabei spürte, wie sein Schwanz hart wurde. Ihre Haut unter seinen Fingerspitzen war weich und glatt.
»Du schaffst das schon, standhaft zu bleiben«, hörte er sie murmeln. Schließlich dauerte es nicht mehr lange, dass er Emilias gleichmäßigen, flachen Atem vernahm. Sie war eingeschlafen, und er lag mit einer schmerzenden Erektion neben ihr.

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Kapitel 3 - Noah

Nachdem Noah sich fertiggemacht und seine Sachen in die Tasche zusammengeräumt hatte, ging er zum naheliegenden kleinen Einkaufsmarkt, um Brötchen und ein paar weitere Lebensmittel für das Frühstück zu holen. Emilia hatte noch geschlafen und er wollte sie nicht wecken, deshalb war er so lautlos wie möglich aus der Wohnung geschlichen.
Als er wiederkam, schlief sie immer noch. In der Küche räumte er einen Teil der Lebensmittel in den Kühlschrank und setzte Teewasser auf. Noah drapierte auf einen großen Teller Wurst und Käse, garnierte alles mit Tomaten, Gurken und Petersilie. Dann deckte er den Frühstückstisch. Während er die Messer neben die Teller legte, vibrierte Emilias Handy und das Display leuchtete auf.
Er warf einen Blick darauf und sah, dass eine Nachricht geschickt wurde. Sie kam von Patrick.
Patrick? Emilia bekommt von diesem versnobten Wichser Nachrichten auf ihrem Handy?
Noah starrte auf das Display, Wut und Neugierde packten ihn gleichermaßen. Es juckte ihm in den Fingern, das Handy zu nehmen, um nachzulesen, was der Kerl von Emilia wollte. Aber in ihren Nachrichten herumzuschnüffeln fand er erbärmlich. Trotzdem musste er herausfinden, was sie mit dem Typen zu tun hatte.
Läuft da was? Ihm fiel Emilias gestriger Versprecher ein. Von Wir war die Rede gewesen, als sie ihm von Linus’ Socke erzählt hatte. Der Grund, weshalb sie gewusst hatte, dass er es war, der sich um ihre Wohnung gekümmert hatte.
Ein Rascheln drang zu ihm. »Noah?«
Erschrocken fuhr er herum.
»Du hast Frühstück gemacht?« Emilias Stimme klang freudig, aber auch verschlafen. Emilia streckte sich und blinzelte. »Hat der Wecker schon geklingelt? Ich habe nichts gehört.«
»Nein, aber in wenigen Minuten.«
Emilia warf die Decke beiseite und stieg aus dem Bett. Am Tisch gab sie ihm einen Kuss, nahm das Handy in die Hand und drehte Noah den Rücken zu. Er konnte an ihren Bewegungen sehen, dass sie die Nachricht gelesen hatte und etwas dazu tippte. Der Wecker klingelte nicht mehr, also hatte sie ihn außerdem noch ausgeschaltet.
Noah wartete ab, ob Emilia zur Nachricht irgendwas sagen würde, aber sie legte kommentarlos das Handy zurück und verschwand ins Bad.
Ein frischer Duft umhüllte sie bei ihrer Rückkehr ins Zimmer. Noah hatte die ganze Zeit, die sie im Bad war, am Tisch gestanden, ohne sich zu bewegen. Unter anderen Umständen wäre er nicht so lethargisch. Er wäre Emilia nackt ins Bad gefolgt und zu ihr in die Dusche gestiegen, und spätestens jetzt würde er ihre Taille umfassen und sie rückwärts zum Bett delegieren, aber die Nachricht von Patrick Arsch ließ ihm keine Ruhe.
Noah zog den Stuhl zurück und setzte sich an den Tisch. Er konnte den Blick nicht vom Handy abwenden. Hinter sich hörte er Emilia den Schrank öffnen, vermutlich holte sie sich frische Wäsche heraus. Den Morgen hatte sich Noah anders vorgestellt. Sie hatten noch gestern darüber gesprochen, die Zeit für Zweisamkeit zu nutzen.
Fuck. Fuck. Fuck.
Aber es geht nicht. Mit der Nachricht im Hinterkopf bekomme ich keinen hoch und dann fragt mich Emilia, woran das liegt.
Soll ich zugeben, dass mich die Eifersucht quält?
»Hast du was?« Emilia setzte sich zu ihm. Sie trug ein frisches T-Shirt und war noch ungeschminkt.
»Ich muss den Tee holen«, murmelte Noah und stand auf. Auf dem Weg zur Küche überlegte er, ob es sinnvoll wäre, Emilia auf die Nachricht anzusprechen. Bei Marie war er blauäugig gewesen, konnte sich nicht vorstellen, dass sie an andere Männer dachte. Immerhin war sie mit ihm verheiratet gewesen. Mit Mia hatte er eine ähnliche Erfahrung gemacht. Sie traf sich mit ihm, dabei waren ihre Gedanken nur bei diesem Niklas gewesen. Noah hatte ihr Verliebtsein nicht mitbekommen, nicht einmal, wenn der Typ bei ihren Treffen anwesend war. Er war so was von dumm gewesen.
Was läuft hier für ein scheiß Déjà-vu ab?
Es waren ähnliche Situationen, mit denen damals die Lügen und Heimlichtuereien angefangen hatten. Das wollte Noah nicht noch einmal erleben. Er hatte die Nase voll davon, dass Frauen ihn an der Nase herumführten. Schlimmer hätte man seinem Ego nicht schaden können.
Nachdem Noah ihnen Tee eingegossen hatte, schnitt er sich mit angespannter Miene und zusammengepressten Lippen ein Brötchen auf. Ihm war nicht nach Unterhaltung.
»Noah, was ist los? Du bist komisch«, sagte Emilia. Sie beugte sich über den Tisch, streckte den Arm aus und umfasste sein Kinn. Sie wollte ihn auf diese Weise dazu bringen, sie anzusehen. Noah zog unwirsch den Kopf weg. Er hasste es, wenn man versuchte, bei ihm eine Reaktion zu erzwingen. Emilia hatte offensichtlich verstanden. Seufzend nahm sie die Hand weg und ließ sie neben den Teller sinken.
»Wie sieht dein Tag aus?«, fragte Noah, als Emilia die Tasse an die Lippen führte.
Sie reagierte nicht gleich, sondern nippte am dampfenden Tee. »Ich werde den Tag an der Uni verbringen … Weißt du doch.«
»Und danach?«
»Noah, was soll die Fragerei? Irgendwas stimmt mit dir nicht.«
Noah biss ins Brötchen. Er kaute widerwillig, Hunger hatte er nicht mehr. »Du hast vorhin eine Nachricht bekommen.«
Einen Moment sagte Emilia nichts, sondern musterte Noah. Begeistert sah sie nicht aus, aber sie reagierte auch nicht gereizt. Lediglich eine leichte verräterische Röte überzog ihre Wangen. »Was willst du dazu wissen?«
»Von wem war sie?«
Emilia, wehe, du lügst mich an!, ergänzte er still. Noah bemühte sich, gleichmütig zu wirken, so zu tun, als ob es sich um eine beiläufige Frage handelte.
Sie zögerte. Eine Sekunde zu lange. Noah wusste, Emilia würde ihm die Unwahrheit sagen. Scheiße.
»Josi hat mich angeschrieben. Sie ist eine Freundin.«
»Was wollte sie?«
Die Augen verengt, stellte Emilia die Tasse ab. »Wird das ein Verhör?«, rutschte es aus ihr heraus. »Wenn du schlechte Laune hast oder dich irgendetwas ärgert, dann lass es nicht an mir aus. Ich dachte, wir machen uns einen schönen Morgen, ich blase dir einen nach dem Frühstück und dann fickst du mich in den Himmel, damit ich die nächsten Tage ohne dich überstehen kann. Aber stattdessen stänkerst du nur rum!« Emilia stieß nach dem heftigen Wortschwall wütend die Luft aus.
»War’s das?«, schnappte Noah. Wie konnte Emilia es wagen, die Beleidigte zu spielen, obwohl sie an diesem Tisch die Lügnerin war?
»Ja, mehr gibt es nicht zu sagen. Am besten, wir frühstücken zu Ende und reden am Wochenende zwischen deinen Schichten. Du bist doch gerade nur auf Streit aus!«
»Aha, vermutlich grundlos«, knurrte Noah.
Emilia blinzelte unsicher und leerte hastig ihre Tasse. Fast wirkte sie auf ihn reumütig, aber nur fast, sinnierte er.
Sie seufzte. »Tut mir leid, dass wir gestritten haben. Aber ich verstehe nicht, warum du mich wegen einer unbedeutenden Nachricht ausfragst. Es gibt keinen Grund, dir Gedanken zu machen.«
»Okay, wenn du meinst, reite ich nicht mehr auf der Sache mit der Nachricht herum.« Lügnerin. Wenn Emilia dachte, das Thema wäre für ihn erledigt, hatte sie sich geschnitten. Er würde schon herausfinden, ob sie was mit Patrick Arsch am Laufen hatte.
»Alles klar. Schade, dass wir streiten mussten und nun keine Zeit mehr für uns haben, doch leider muss ich gleich los«, redete sich Emilia heraus. Mit düsterer Miene blickte sie Noah ins Gesicht.
Natürlich schiebt sie mir die Schuld in die Schuhe. Sie ist ja sooo unschuldig. Und wir haben keine Zeit mehr? Blöde Ausrede von ihr, um abzuhauen.
Ein Lachen, das sich eher wie ein Schnauben anhörte, konnte sich Noah darum nicht verkneifen. »Gib doch zu, du willst dich mit dieser … Josi treffen«, kommentierte er trocken.
»Herrgott, Noah«, schimpfte Emilia. »Hör auf mit deinem bescheuerten Gelaber. Es nervt langsam.«
»Ich? Nein, Fräulein, du nervst. Ich gebe kein bescheuertes Gelaber von mir. Ich stelle nur fest, dass du dich mit deiner Freundin verabredet hast, obwohl ich hier bin.«
»Ich habe jetzt Uni und treffe mich mit Josi danach und du musst nach Hause.« Wütend griff sie nach einem Brötchen und sprang vom Stuhl auf. »Du scheinst nicht zu wissen, wann Schluss sein muss. Das war nach unserer Trennung ein tolles erstes Zusammensein.«
»Findest du?« Noah ruckte mit dem Stuhl zurück und ging Emilia hinterher. Sie hatte sich zum Schrank begeben, um noch Jeans und Strümpfe anzuziehen. Einen bösen Blick warf sie ihm zu, bevor sie das Brötchen und das Handy in ihre Tasche stopfte und mit stampfenden Schritten in den Flur marschierte. Ohne ein Wort zu sagen, schlüpfte sie in die Sneaker und zerrte die Jacke vom Haken.
»Boah.« Noah blieb der Mund offen stehen. Wütend folgte er ihr.
An der Wohnungstür drehte sich Emilia um, die Hand ruhte auf der Klinke. »Was, boah?«
»Du haust ab, ohne dich zu verabschieden?«, schnaubte Noah und fasste sich kopfschüttelnd an die Stirn. »Das glaub ich jetzt nicht!«
»Ja, weil mir hier die Luft zu dick ist. Ich hätte es wissen müssen, dass wir ohne Streit keine Beziehung führen können. Du findest immer was, das dir nicht an mir passt. Aber diesmal machst du dich nicht einfach vom Acker, sondern ich.«
Noah fuhr sich durchs Haar, sagte nichts, nickte nur langsam. Er deutete kopfnickend zur Tür. »Tu, was du nicht lassen kannst.«
Emilia sah ihn mit traurigen Augen an. Sie rieb sich mit den Fingerspitzen über den Mund. »Ich weiß nicht, warum du so merkwürdig bist und ich bedaure es, dass wir unsere Zeit nicht besser genutzt haben. Im oberen Schubfach unter dem Fernseher liegt dein Schlüssel.«
Emilias Augen glänzten, als ob sie die Tränen zurückhalten musste. Sie neigte sich zu Noah und gab ihm einen schnellen Kuss. Hastig drehte sie sich um und verließ die Wohnung. Kopfschüttelnd fasste sich Noah an die Stirn. Er war enttäuscht. Ihre ausweichende Reaktion auf seine Frage, wer ihr eine Nachricht gesendet hatte, schmerzte ihn. Wenn zwischen ihr und dem Wichser nichts wäre, hätte sie ihm gesagt, dass er sich bei ihr gemeldet hatte, so glaubte er. Noah biss sich nachdenklich in die Innenseite der Wange. Er hatte das ungute Gefühl, dass Emilia mit dem Kerl heute verabredet war. Deshalb musste er noch in Hamburg bleiben, um sich Gewissheit zu verschaffen. Diesmal würde er nicht der Dumme sein, der als Letzter erfuhr, dass er betrogen wurde. Denn genauso war das mit Marie und Mia gewesen.
Noah begab sich zum Fenster und schaute hinunter. Er sah Emilia, wie sie auf den Parkplatz zusteuerte. Als der Audi fortfuhr, wandte er sich vom Fenster ab und nahm sein Handy in die Hand, um Marc anzurufen. Die nagende Eifersucht war kaum noch zu ertragen.
»Sorry, Alter, dass ich dich so früh wecke«, entschuldigte sich Noah, nachdem Marc den Anruf entgegengenommen hatte. Sein Freund klang nicht erfreut. »Hey Kumpel, was soll das? Du weißt, dass ich wegen deiner Abwesenheit und dem Krankenstand die ganze Zeit Doppelschichten schiebe und meinen Schlaf brauche. Warum rufst du mich zu dieser gottlosen Zeit an?«
»Ja, tut mir echt leid, aber ich kann heute nicht in den Club kommen. Du musst noch mal an der Bar einspringen.« »Wie bitte? Du spinnst doch wohl?« Marc stieß wütende Flüche aus.
Noah bemühte sich, Marc zu beschwichtigen, und hoffte auf sein Verständnis. »Nun komm mal runter. Gestern war der Club geschlossen. Den einen zusätzlichen Tag schaffst du. Bitte, Marc, ich kann wirklich nicht kommen.«
»Und warum brummst du mir deine Schicht auf? Wir bekommen hier echt Probleme. Pauls Bar muss besetzt werden, die Abrechnungen der vergangenen Woche sind nicht gemacht … Mann, Noah, das geht so nicht! Wo bist du überhaupt?«
»Äh … Bei Emilia in Hamburg.«
»Wo bist du? Bei Emilia? Seid ihr wieder zusammen?« Noah hörte Marc stöhnen. »Man sieht bei euch echt nicht mehr durch. Das ist ein ständiges Auf und Ab, ein nerviges Hin und Her.«
»Ja, und das Schlimme ist, sie betrügt mich.«
»Emilia?« Marc stöhnte. »Junge, du hast doch nicht mehr alle Latten am Zaun? Mann, die Frau hat das Wort Treue erfunden.«
»Ach ja? Dann erinnere dich mal, wer sie damals mit der schwarzen Protzkarre abgeholt hatte?«
»Der Typ? Woher willst du das wissen?« Wo Marc erst noch heiser vor Müdigkeit geklungen hatte, klang seine Stimme jetzt hellwach. Er schrie fast ins Handy, dass Noah es vom Ohr weghalten musste, wenn er das Platzen seines Trommelfells nicht riskieren wollte.
»Sie ist heute mit ihm verabredet. Ich habe eine Nachricht von ihm im Handy gefunden.«
»Alter, du spionierst ihr nicht nach, schnüffelst nicht in ihrem Handy …«
»Das geht dich einen Scheiß an«, fiel Noah Marc ins Wort. Dass er sich nicht hundertprozentig sicher war, ob Emilia tatsächlich mit Patrick Arsch verabredet war, behielt er für sich. Nicht, dass sich am Ende Marc weigerte, seine Schicht zu übernehmen.
»Okay.« Marc schwieg einen Moment, und Noah vergaß zu atmen.
Er schnappte nach Luft, als er den Druck in der Brust bemerkte. »Du verschaffst dir Gewissheit, aber danach schwing deinen störrischen Hintern nach Berlin. Der Club darf unter deinem Privatleben nicht leiden.«
»Danke, Marc, hast was gut bei mir.« Noah schloss einen Moment erleichtert die Augen.
»Ja, schon gut«, brummte Marc. »Ich verstehe dich, nach allem, was du mit Marie durchgemacht hast … und das mit Mia war ja auch nicht ohne.«
»Dann komme ich Mittwoch zurück. Da Linus bei Hannah ist, muss ich ihr nichts sagen.«
»Aber, Noah, überstürze nichts, treffe keine voreiligen Schlüsse«, warnte Marc.
»Nein, mach ich nicht. Schlaf weiter, und danke dir, dass du an der Bar aushilfst.«
»Du würdest das Gleiche für mich tun. Aber ich hoffe, dass du dich irrst.«
Und ich erst. Noah hörte Marc noch einen Fluch ausstoßen, bevor die Verbindung unterbrochen war.
Nach dem Telefonat überlegte Noah, ob er bereits jetzt zur Uni fahren sollte, um zu sehen, ob Emilia dort war. Sie hatte immer säuberlich eine gesonderte Tabelle geführt, welche Veranstaltungen wann und wo stattfanden, obwohl diese auch im Laptop und im Taschenkalender eingetragen waren. Er fand ihre Planerei übertrieben, aber in seiner Situation war er froh, dass sie so tickte und er deshalb nun nachsehen konnte.
Auf dem Schreibtisch lag der Plan. Sie hatte vier Uhr nachmittags Schluss. Noah entschied, erst aufzuräumen und eine halbe Stunde vor Unischluss zum Campus zu fahren, um zu sehen, ob ihr Auto dort parkte und sie mit dem Wichser verabredet war. Verfickte Scheiße, hätte ich doch nur den Volvo hier.

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Kapitel 4 - Emilia

Emilia wusste nicht, wie sie mit Noahs Verhalten umgehen sollte. Sie war zu enttäuscht gewesen, um noch länger mit ihm in der Wohnung zu bleiben. Es hätte keinen Sinn gemacht, ihm zu sagen, dass Patrick wissen wollte, ob sie nach der Uni für ihn Zeit hätte. Sie schuldete ihm noch ein Treffen, und Emilia sah keinen Grund, ihm das zu verwehren, nur weil Noah damit ein Problem hätte. Dass es so wäre, hatte er ihr schon bewiesen.
Denn als Noah beim Frühstück gefragt hatte, von wem die Nachricht am Morgen gekommen war, erinnerte sich Emilia schlagartig an die Begebenheiten, bei denen sie Patricks Namen erwähnt hatte. Am heftigsten war Noahs Auftritt gewesen, nachdem er sie aus dem Haus geworfen hatte. Patrick hatte sie abgeholt, um sie zu ihren Eltern zu bringen. Noah war ausgerastet und hatte versucht, sie davon abzuhalten, mit Patrick mitzufahren. Angesichts dieser Erfahrung wollte sie alles vermeiden, ihn noch einmal derart wütend zu erleben. Noah schien sehr eifersüchtig zu sein. Emilia vermutete, dass das mit Maries Untreue zusammenhing, unter der Noah damals gelitten hatte. Dabei käme es für sie nie in Frage, ihm fremdzugehen. Treue und Vertrauen waren für Emilia die Grundpfeiler einer Beziehung.
Der Weg zur Universität kam ihr länger als sonst vor, weil ihre Gedanken um den grässlichen Morgen rotierten. Dabei hatte er wunderbar angefangen. Sie war aufgewacht und Noah hatte Frühstück vorbereitet.
Nachdem sie auf dem Campus eingetroffen war, rückten die Gedanken an Noah in den Hintergrund. Sie konnte den Streit sowieso nicht rückgängig machen und würde mit ihm über seine Verhalten sprechen, wenn sie am Wochenende in Berlin war.
Emilia stieg aus dem Auto und verschloss mit der Fernbedienung den Audi, als sie zusammenschrak, weil ihr Handy vibrierte. Das Herz hämmerte ihr bis zum Hals, während sie in ihrer Tasche wühlte. Ob das Noah war, um sich zu entschuldigen? Sie hoffte es, aber am Handy war Josi.
»Hi Josi.«
»Hey Emilia. Bist du schon auf dem Campus?«
»Auf dem Weg, wieso?«
»Ich stehe an der Kasse in der Cafeteria und habe mein Geld vergessen. Kannst du mir aushelfen?«
»Klar.« Emilia blieb stehen, um einen rostigen Transporter vorbeizulassen, der auf den Parkplatz fuhr. Er tuckerte wie ein Traktor und verpestete mit seinen Abgasen die Luft. Emilia hielt die Hand vor ihren Mund und hustete. Alte Dreckschleuder. Hastig drehte sie sich vom Auspuff weg.
»Emilia? Alles okay?«
»Ja, Josi, ich bin gleich bei dir. Tschüss!«, beendete sie das Gespräch.
Emilia schob das Handy in die Tasche zurück und holte ihr Portemonnaie heraus, während sie über den Campus eilte und auf die Cafeteria zusteuerte.
Durch die Glastür erkannte sie die grünen Haare von Josi. Die Freundin strahlte, als Emilia mit dem Portemonnaie wedelnd zu ihr gelaufen kam.
»Bin ich froh, dass du schon hergekommen bist.«
Emilia zuckte mit den Achseln. Sie hatte nicht vorgehabt, eine halbe Stunde vor Vorlesungsbeginn hier zu sein, aber in der Wohnung mit Noah war es nicht mehr auszuhalten gewesen.
Sie verließen die Cafeteria, und Emilia betrachtete Josi, die heute anders aussah. Sonst war sie ganz in Schwarz gekleidet, düster geschminkt und in der Nase, Lippe und Augenbraue steckten silberne Piercings. Äußerlich passten sie nicht zusammen, aber heute fiel das nicht auf. Josi war kaum geschminkt, die silbernen Ringe fehlten im Gesicht und sie trug blaue Jeans, ein graues T-Shirt und darüber eine schwarze Lederjacke. Emilia hatte das Gefühl, Josi wollte absichtlich wie ein unauffälliges Mädchen aussehen, dabei sah sie so natürlich richtig hübsch aus. Besonders beeindruckend waren ihre Augen, von einem leuchtenden Blau wie ein klarer Sommerhimmel.
Klarer Sommerhimmel … Bekomme ich eine romantische Ader?
Blaue Augen einmal dahingestellt, Emilia verstand nicht, warum die Freundin sich sonst so merkwürdig kleidete. Doch Josi hatte vor einigen Tagen bei Emilias Nachfrage gemeint, dass sie ihr Lebensgefühl mit dem Äußeren ausdrückte. Heute müsste Emilia in schwarzen Klamotten herumlaufen, so wie sie sich nach dem Streit mit Noah fühlte.
»Oh, da ist er«, wisperte Josi.
»Wer?« Verwundert wandte Emilia der Freundin das Gesicht zu. Mit entrücktem Lächeln fummelte Josi an ihren grünen Haaren herum, streifte sich mit zitternden Fingern eine Strähne hinter das Ohr.
Emilia folgte ihrem Blick. Sofort klappte ihr der Mund auf, weil ein Dutzend Meter vor ihnen Patrick lief. Heilige Scheiße, steht Josi auf ihn? Ich glaub’s ja nicht. Emilia schmunzelte und überlegte, ob sie Patrick Josi vorstellen sollte. Warum eigentlich nicht?
Als Josi zu seufzen begann und wie magisch angezogen auf Patricks Knackarsch starrte, schaffte Emilia es nicht mehr, ihr Grinsen zu verbergen. Doch bevor sie ihn rufen konnte, rief er einem Professor, den sie aus einem Seminar kannte, etwas zu und sprintete in die entgegengesetzte Richtung. Vielleicht war es besser so, dass er sie nicht gesehen und sie ihn auch nicht gerufen hatte. Wenn Josi Patrick mochte und mitbekommen würde, dass Emilia mit ihm nachmittags verabredet war, könnte es eventuell Ärger geben. So gut kannte sie die Freundin noch nicht, um sie in diesem Sinne einzuschätzen.
»Wo hast du deinen Kurs?«, wollte Josi von Emilia wissen. Nur Freitag besuchten sie zusammen ein Seminar, daher sahen sie sich sonst meistens zum Mittagessen. Mit anderen Studenten hatte Emilia noch keine engeren Kontakte geknüpft. Sie war zu schüchtern, um locker auf andere zuzugehen.
Weil Josi wie Emilia zurückhaltend war, passten sie gut zusammen und hatten sich dadurch schnell verstanden – Gleichgesinnte unter sich.
Seufzend schweifte Josis Blick zu Patrick, der sich mit dem Prof abseits in der Nähe des Verwaltungsgebäudes angeregt unterhielt. Patricks schönes, dunkles Lachen drang bis zu ihnen herüber.
»Ich muss ins Haus zehn«, erklärte Josi und wandte sich Emilia zu. Mit verlegenem Lächeln deutete sie zu Patrick. »Weißt du, welche Fächer er unterrichtet?«
»Du meinst Pa … Professor Sanders?«
»Du kennst ihn?« Josi riss die Augen auf. »Woher?«
Emilia hob die Schultern. »Er ist ein Prof aus Berlin. Wir nannten ihn immer den Analysis-Gott. Er ist hier mit Mathematikern auf einer Veranstaltung … So weit ich weiß.«
»Ach, dann fährt er wieder und bleibt nicht hier an der Uni?«
»Hm.« Emilia nickte mit bedauerndem Lächeln. Doch Josi winkte ab und grinste verschmitzt. »Zwar schade, aber dann kann ich wenigstens meine Lieblingsklamotten wieder tragen. Ich kam mir schon bescheuert vor.«
»Umso besser, wenn es für dich kein Problem ist. Bis nachher, wir sehen uns in der Mensa«, verabschiedete sich Emilia, umarmte die Freundin und machte sich auf den Weg zu ihrer Vorlesung.

Auf dem Parkplatz wartete Patrick neben Emilias Auto.
»Entschuldige, dass ich mich einige Minuten verspätet habe, aber ich hatte noch Fragen mit meiner Referatsgruppe abzuklären«, sagte Emilia und schenkte ihm ein entschuldigendes Lächeln.
Er schien nicht verärgert, als er Emilia zur Begrüßung an sich drückte. »Es ist angenehmes Frühlingswetter. Wann habe ich sonst Zeit, ein bisschen frische Luft zu tanken.«
Emilia machte eine ausschweifende Geste mit der Hand. »Frische Luft, hier zwischen den Autos?« Sie grinste, und Patrick lief rot an, wie er immer in ihrer Nähe rot anlief. Emilia fand es süß, dass er seine Gefühle nicht verbergen konnte. Noah war dagegen oft undurchschaubar, dass sie nicht immer wusste, woran sie bei ihm war. So manches Mal hätte sie sich gewünscht, mehr Emotionen an seinem Gesicht ablesen zu können.
Mit einem Lächeln im Gesicht rieb Patrick sich den Nacken. »Ändert trotzdem nichts an dem Umstand, dass ich kaum von meiner Arbeit wegkomme. Früher bin ich regelmäßig joggen gegangen, aber seit ich die Professur erhalten habe, fehlt mir die Zeit. Mein Leben dreht sich nur noch um Projekte und Forschungsgelder.«
»Klingt nach viel Stress«, fand Emilia und deutete auf den Audi. »Fährst du bei mir mit oder nimmst du dein Auto?«
»Wenn du mich nachher wieder hier absetzt, fahren wir mit deinem.«
»Okay, dann steig ein.« Emilia nahm den Schlüssel und drückte auf den Türöffner.
Nach dem klickenden Geräusch öffneten sie die Türen und stiegen ein.
»Wollen wir im Zentrum Kaffee trinken oder mehr außerhalb?«, erkundigte sich Emilia beim Verlassen des Unigeländes.
»Worauf du Lust hast. Wobei es zur Innenstadt nicht weit ist. Bei dem schönen Wetter sind die Tische vor den Cafés aufgestellt«, meinte Patrick.
Beim Abbiegen auf die Straße stutzte Emilia für einen Augenblick. Sie hätte schwören können, einen bekannten blonden Haarschopf gesehen zu haben, aber weil Berufsverkehr herrschte, hatte sie keine Zeit, sich noch einmal nach dem Mann umzusehen.
Noah musste nach Berlin zurück, vermutlich hat mir die Aufregung vom Morgen einen Streich gespielt, redete sie sich ein, konzentrierte sich aber schnell wieder auf den Straßenverkehr. Sie musste bremsbereit sein, weil sich zu gern ein anderes Auto in ihre gehaltene Sicherheitslücke zum Vordermann quetschte, wie sie es schon öfters erlebt hatte.
Während der Fahrt erzählte Patrick von den Veranstaltungen, die er in Hamburg besuchte und Emilia gab ihm einen Einblick, wie es mit ihrem Studium voranging.
Sie fanden glücklicherweise einen Parkplatz, ohne lange herumsuchen zu müssen. Emilia erkannte das Café wieder, wo sie mit Jannick und Till gesessen hatte. Sie schmunzelte in sich hinein, als sie sich an ihre Detektivarbeit zurückerinnerte. Emilia überredete Patrick, dass sie sich dort einen Tisch suchten. Das Café war bei dem warmen, klaren Frühlingstag gut besucht, aber sie fanden zwei Plätze unter einem Sonnenschirm.

»Du hast nicht übertrieben, die Muffins schmecken wie selbstgebacken«, fand Patrick und steckte sich, die Augen genussvoll verdrehend, den letzten Bissen in den Mund.
»Hmmm«, stöhnte Emilia und ließ den Schokoladenteig auf der Zunge zergehen. Hier würde sie das nächste Mal mit Noah hingehen. Das Café war zwar einfach, könnte aber locker mit einem gehobenen Kaffeehaus in Konkurrenz treten.
Mit ernster Miene wischte sich Patrick den Mund ab und nahm die Jumbotasse mit seinem Cappuccino in die Hand. Er nahm über den Rand der Keramik Emilias Augen gefangen. Sie schluckte nervös bei seinem Blick.
Was will er mich fragen? Verdammt, er wird wieder rot, das wird jetzt seltsam …
Patrick räusperte sich, nachdem er die Tasse abgestellt hatte. Emilia beschlich das Gefühl, er sammelte allen Mut zusammen, um ihr eine bestimmte Frage zu stellen.
»Emilia«, begann er, fuhr nach einigen Sekunden fort. »Der Typ, der sich damals so aufregte, als ich gekommen war, um dich zu deinen Eltern zu bringen … Was ist mit ihm? Ich meine, läuft wieder was zwischen euch?«
Emilia überraschte Patricks Frage nicht. Dass er Interesse an ihr hatte, wusste sie, aber dass er deutlicher wurde, machte sie verlegen.
Nervös strich sie sich eine Strähne hinter das Ohr. »Wir haben uns versöhnt. Also, ich will damit sagen … Ja, wir sind wieder zusammen.«
»Verstehe.« Patrick blickte auf den Tisch, wandte dann seine braunen Augen erneut Emilia zu. »Und, was denkst du. Wenn es ihn nicht gäbe, hätte ich eine Chance bei dir gehabt?« Patrick schluckte. »Würde ich jemals eine Chance bei dir haben? Lohnt es sich überhaupt, um dich zu kämpfen?«
Holy Shit, das fragt er mich nicht wirklich? Herrgott, was soll ich darauf antworten, ohne seine Gefühle zu verletzen?
Sofort mischte sich ihr Verstand ein. Sag ihm die Wahrheit, dass du Noah liebst! Rede nicht um den heißen Brei herum.
Natürlich, Emilia, du darfst ihm keine falschen Hoffnungen machen! Aber wähle deine Worte mit Bedacht, schlug ihr Ego vor.
»Na ja«, sagte Emilia, und Patrick übernahm das Wort, bevor sie ihm eine Antwort geben konnte. »Du bist in diesen Mann verliebt. Entschuldige, ich hätte dich mit meiner Frage nicht bedrängen dürfen.« Abwehrend hob er die Hände.
Emilia lächelte vorsichtig. »Ich hatte tatsächlich mal darüber nachgedacht. Und der Gedanke, mit dir zusammen zu sein, war irgendwie schön gewesen. Aber es tut mir leid, ich liebe Noah, deshalb will ich dir keine falschen Hoffnungen machen.«
»Also, verstehe ich das richtig? Wenn du ihn nicht lieben würdest, hätte ich eine Chance gehabt? Meinst du …« Patricks Augen funkelten verdächtig, während er seine Worte formulierte, und Emilia überkam die Sorge, dass er den Teil ihrer Antwort, dass sie Noah liebte, nicht in seiner ganzen Tragweite aufgenommen hatte. Sie neigte sich zu Patrick und legte ihm zwei Finger auf den Mund. Sofort blieb er still, statt sich noch mehr in etwas zu verrennen. »Nein, interpretiere nichts in meine Antwort, was ich nicht gesagt habe. Noah ist der Mann, mit dem ich mein Leben teilen will. Und auch wenn es zwischen ihm und mir nicht funktionieren würde, könnte ich nicht aufhören, ihn zu lieben.«
Patrick strich sich seufzend über die Stirn. »Ich verstehe, dass du mit mir nichts anfangen willst. Aber kannst du es einfach so …« – er schnippte mit Daumen und Zeigefinger in der Luft – »… wegstecken, wie gemein er mit dir umgesprungen ist? Ich fand sein Auftreten dir gegenüber unmöglich, als ich dich zu deinen Eltern bringen sollte.«
Emilia trank einen Schluck und sah sich um, ob jemand an den Nachbartischen ihr Gespräch mitbekam. Niemand schien ihnen Beachtung zu schenken, was sie beruhigte.
»Natürlich hat er sich nicht anständig verhalten, deshalb gab es die Trennung. Aber er stand mächtig unter Druck. Noah würde sich so nicht mehr benehmen, wie an diesem Tag.« Emilia stieß angespannt die Luft aus. Das hoffe ich jedenfalls, ergänzte sie still.
Nickend lehnte sich Patrick gegen die Rückenlehne des Plastikstuhls. »Es geht mich nichts an, mit wem du zusammen bist. Aber wenn du meine Freundin wärst, würde ich alles dafür tun, dass du glücklich bist, keinen Grund zum Weinen hast.«
»Das glaub ich dir. Und die Frau, die dich bekommt, hat verdammt viel Glück.«
Patrick beugte sich zu Emilia und hob den Arm. Sanft strichen seine Fingerspitzen über ihre Wange. »Schade, dass du diese Frau nicht sein wirst.«
Die Berührung war angenehm und löste ein Prickeln auf Emilias Körper aus, trotzdem dachte sie an Noah.
Warum mussten sie am Morgen streiten? Nicht mehr darüber nachdenken, genieß das Wetter und den Cappuccino, unterband sie ihre Grübelei und wechselte das Thema.
»Steht endgültig fest, ob ich in Berlin meine Promotion bei dir machen kann?«, fragte sie.
Patrick blinzelte nur einen Augenblick irritiert, bevor er antwortete. »Auf alle Fälle. Wir werden bald die restlichen Details besprechen, wenn ich alle Unterlagen zusammen habe, bevor es nächstes Jahr losgeht. Geplant ist Oktober, könnte vielleicht auch früher sein. Ich gebe dir noch Bescheid.«
Der Themenwechsel hatte geholfen und sie führten eine lustige und leichte Unterhaltung. Eine zweite intime Berührung mied Patrick, stattdessen blieb er auf der freundschaftlichen Ebene.
Nachdem sie Teller und Tassen auf das Tablett geräumt hatten, Patrick es zum bereitgestellten Geschirrwagen gebracht hatte, schlenderten sie zum Auto und fuhren zum Campus zurück, wo Patricks SUV allein auf dem riesigen Parkplatz stand.
»Falls ich noch einmal hier in Hamburg bin oder du in Berlin, würdest du dich wieder mit mir treffen?« Emilia konnte sich denken, dass seine abgewiesene Annäherung ihn vorsichtig fragen ließ.
»Sicher, Patrick, sehr gern«, sagte sie, woraufhin er erleichtert lächelte und Emilia umarmte, bevor er aus dem Auto stieg und zu seinem Wagen ging.
Als Emilia den Audi startete, spürte sie die Sehnsucht nach Noah zurückkehren. Sie nahm sich vor, ihm die Wahrheit zu sagen, wer ihr am Morgen die Nachricht geschickt hatte. Es durfte keine Heimlichkeiten zwischen ihnen geben. Deshalb musste Noah akzeptieren, dass sie mit Patrick befreundet war.
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Impressum - Leseproben

Erste Auflage 2019
Copyright © 2019 by Jenna Stean
Alle Rechte dieser Ausgabe vorbehalten

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung dieses Buches – auch nur Auszüge – sowie die Übersetzung dieses Romans ist nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Dies gilt insbesondere für jede mechanische, fotografische, elektronische und sonstige Vervielfältigung, Verbreitung – auch Auszüge – durch Film, Funk, Fernsehen, elektronischen Medien und sonstige Form von öffentlicher Zugänglichmachung.
Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

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