Jenna Stean - Meine Bücher -   

Über das Buch

Am 14.Juli 2019 erschien mit "Touchdown - Wenn Liebe trifft" wieder ein humorvoller Roman von Jenna Stean. Damit begründete Jenna Stean zugleich den Auftakt zu ihrer "Touchdown - Reihe", wobei jeder Touchdown - Roman eine abgeschlossene Handlung beinhalten wird. Am 01.Dezember 2019 erschien "Touchdown - Wer Liebe wagt, gewinnt". Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen hier bereits ein Einführungs- sowie ein Werbevideo, den Klappentext, die Cover, Informationen zu den Hauptfiguren sowie diverse Leseproben an. Sind Sie überdies an weiteren Leseproben und Informatioonen rund um das Buch interessiert, dann abonnieren Sie unseren kostenfreien Newsletter.

Daten zu "Touchdown - Wer Liebe wagt, gewinnt"

Erschienen: 21.November 2019 bei Amazon
Seitenzahl: 504 (eBook), 357 (Druck)
Einführungspreis: 0,99 € (eBook), 9,99 € (Druck)
ISBN: 978 - 1707880119

Ashley und Lucas - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Einführungsvideo

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Werbevideo

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Klappentext

When the cat’s away, the mice will play.

Abby und Willow Thompson sollen Schwestern sein? Schwer vorstellbar. Abby jobbt als Putzkraft und Küchenhilfe an der Michigan. Sie sorgt für ihre kleine Schwester, damit diese studieren kann. Willow soll später ein besseres Leben führen als Abby. Aber statt zu pauken, möchte Willow lieber flirten und Männer daten. Wie kann sie das vor Abby verbergen? Dylan Jenkins, der begehrte und heiße Running Back des Footballteams könnte das Problem lösen. Doch leichter gesagt als getan: Abby und Dylan sind wie Hund und Katze. Ob das gut geht?

TOUCHDOWN – Wer Liebe wagt, gewinnt ist ein weiterer in sich abgeschlossener Sports Romance-Roman. Humorvoll, spannend und mit viel Gefühl.

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Die Cover zum Buch

eBook


Taschenbuch

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Ashley und Lucas - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Abby Thompson, 20 Jahre

Familie: Abbys Mutter lebt in einer Kleinstadt. Sie war Hausfrau, aber nach dem Tod des Vaters nahm sie eine Haushaltsstelle bei einem Ehepaar an, um die laufenden Rechnungen für das Haus zu bezahlen. Ashley hat eine Schwester. Willow ist 18 Jahre alt und zu ihr nach Ann Arbor gezogen.

Freundin: Sky

Beziehungen: keine, früher war sie in Dylan verliebt

Charakter: Selbstbewusst, aufopfernd, manchmal kann sie ihre Zunge nicht im Zaum halten. Ihr größter Wunsch ist es, irgendwann wieder studieren zu können.

Äußeres: groß, schlank, braune Augen, schokobraunes langes Haar

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Dylan Jenkins, 21 Jahre

Familie: Er ist bei seiner Großmutter aufgewachsen.

Freunde: Lucas, Raoul und Ray. Sie sind für ihn seine Bros.

Beziehungen: Kurze Affären. In Abby war er früher verliebt gewesen.

Charakter: Auf die sportliche Zukunft fokussiert, intelligent, als Running Back sehr talentiert. Er ist hilfsbereit, selbstbewusst und auch für einen Spaß zu haben.

Äußeres: groß, athletisch, braune Augen, schwarzes kurzes Haar

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Prolog - Abby

Auf der Michigan zu studieren, war mein größter Traum gewesen. Meine Eltern mussten mich nicht zwingen, meine Hausaufgaben ordentlich zu machen, für anstehende Tests zu lernen, Referate gründlich vorzubereiten.
Ich wollte das.
Mehr als alles andere.
Seit meinem ersten Tag auf der High School hatte ich mich auf den Abschluss gefreut, um nach Ann Arbor zu gehen. Es hatte geklappt und ich hatte einen Studienplatz für die Fächer Philosophie und Mathematik bekommen.
Warum diese Kombination?
Weil die beiden Wissenschaften etwas verband: logisches Denken.
Meine Stärke.
Es gab noch eine Leidenschaft, die gleichzeitig mein Ausgleich fürs Lernen war. Ich hatte es geliebt, eine Cheerleaderin zu sein.
Nie hätte ich gedacht, dass ich in das MSU Cheerleading Team der Michigan aufgenommen werde.
Ich war so stolz auf meine Chance gewesen.
Man hatte mich, Abigail Thompson, ausgewählt.
Wie an den meisten Universitäten hatte an der Michigan der Sport eine besondere Bedeutung. Vor allem Footballspiele galten als gigantische Großereignisse. Und jedes Mal war ich mit dem Cheerleading Team dabei gewesen. Ich hatte mir ein Zimmer im Mädchenwohnheim mit meiner Freundin Sky geteilt, und mein Vater hatte für mich Unterkunft, Studiengebühren und sämtliche Kosten, die noch so anfielen, bezahlt.
Alles war perfekt gewesen.
Ich hatte meinen Traum gelebt.
Scheiße, war ich damals naiv, hatte die Anzeichen nicht bemerkt.
Dann der Schock.
Mein Rausschmiss aus der Universität.
Gefolgt vom Rausschmiss aus dem Cheerleading Team.
Nie hatte ich mir ernsthaft darüber Gedanken gemacht, wie wichtig es war, unabhängig zu sein und einen gutbezahlten Job zu haben.
Warum auch?
Es hatte keinen Grund zur Sorge gegeben.
Deshalb hatte ich mir in den Kopf gesetzt, mich um die Zukunft meiner Schwester zu kümmern, ihr einen Universitätsabschluss zu ermöglichen.
Dafür würde ich jeden beschissenen Job annehmen. Als große Schwester empfand ich es als meine Pflicht, ihr mein Schicksal zu ersparen.
Willow hatte keine Ahnung, warum ich mit dem Studium aufgehört hatte. Nie sollte sie den wahren Grund erfahren.
Sie glaubte, dass ich keine Lust mehr auf Kurse, Prüfungen und den ganzen anderen Studienkram hätte.
O Mann, wie falsch sie lag.
Bevor sie zu mir gezogen war, hatte ich nächtelang mein Kissen nass geheult. Nach außen hin tat ich so, als ob mir alles egal wäre. Dabei war mein abgefucktes Leben ein riesiger Scherbenhaufen.
Einige Monate, bevor ich von den rosaroten Wolken gefallen und auf den Boden der Realität aufgeschlagen war, traf ich ihn.
Ich war total verliebt gewesen, hatte ihn heimlich angeschmachtet, bis er auf mich aufmerksam geworden war.
Okay, wir waren kein Paar gewesen, er hatte mir nichts vorgemacht, um mich ins Bett zu bekommen. Trotzdem hatte er mir weh getan.
Mein Herz war gebrochen.
Ich hatte mir geschworen, dass ich nie wieder auf ihn hereinfallen würde.
Wer der Mistkerl war?
Dylan Jenkins.

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Kapitel 1 - Abby

Blind tastete ich nach dem Wecker, der erbarmungslos schrillte. Gähnend raufte ich mir die Haare. Gott, war ich müde.
Die meisten Leute konnten noch mindestens zwei Stunden schlafen. Ich musste morgens um vier Uhr aus den Federn, weil mein Job innerhalb der Woche schon halb sechs begann, vor sieben Uhr abends war ich selten zu Hause. Manchmal rief mich Sky an, um zu fragen, ob wir gemeinsam ins Kino oder etwas trinken gehen wollten. Oft lehnte ich ab, weil ich vom Tag geschafft war.
Meine Woche bestand von Montag bis Freitag aus Arbeit, am Samstag aus Arbeit, am Sonntag aus … Nein, nicht aus Arbeit, okay, in gewisser Weise schon. Ich musste mich ja noch um den Haushalt kümmern. Einkaufen, Wäsche waschen, bügeln und so. Ein ziemlich langweiliges Dasein für eine Zwanzigjährige.
That’s your life, Abby.
Ich räkelte mich noch einmal, bevor ich mich aus dem Bett rollte, um aufzustehen.
Als ich unter der Dusche stand und das Wasser auf meine Haut prasselte, wurde ich langsam wach. Ich genoss die Minuten für mich, spürte, wie mein schmerzender Nacken, sämtliche Muskeln sich entspannten und Leben in meinen Körper kam.
Jeden Morgen nahm ich mir Zeit, mich für den Tag zurechtzumachen. Ich wusch die Haare und tuschte die Wimpern.
Niemand sollte mir ansehen, dass ich mir Sorgen machte, ob das Geld für die Miete, Willows Kursmaterialien und ihre kleinen Extrawünsche reichte. Meine Schwester durfte keinesfalls mitbekommen, wie eng es bei mir finanziell aussah.
Ich wollte sie glücklich und unbeschwert sehen. Doch letzte Woche war das Geld knapp gewesen. Als ich uns das dritte Mal zum Abendessen Nudeln mit Ketchup zubereitet hatte, war Willow die Frage herausgerutscht, ob Mom kein Geld für sie überwiesen hätte.
Puh, was sollte ich sagen?
Nein, Willow, Mom zahlt keinen Unterhalt für dich, und mein Boss schuldet mir noch für zwei Wochen den Lohn, echt jetzt?
Niemals würde ich meiner Schwester die Wahrheit sagen.
Ich erklärte ihr stattdessen, dass ich einen kleinen Engpass hätte, weil mein Auto repariert werden musste.
Willow war dann der Meinung, dass sie mir helfen könnte. Sie hatte vorgeschlagen, sich nach einem Job umzusehen, um ihren Beitrag für die Haushaltskasse zu leisten.
Ich hatte lachend abgelehnt und geantwortet, dass ihre oberste Priorität das Studium werden müsste und sie sich nur darauf konzentrieren sollte.
Zum Glück hatte mir Skys Mutter angeboten, einmal wöchentlich ihrer Tanzschule zu reinigen. Ich würde den Job annehmen, damit Willow keinen weiteren Verdacht schöpfte.
Seit zwei Monaten lebte meine achtzehnjährige Schwester bei mir. Sie war schon vor Semesterbeginn zu mir gezogen, damit sie noch genügend Zeit hatte, sich in Ann Arbor einzuleben. Außerdem sollte sie den Campus mit sämtlichen Einrichtungen richtig kennenlernen.
Während ich mich vor dem Spiegel abtrocknete, kam Willow verschlafen zu mir und hob den Klodeckel. Ächzend setzte sie sich, pinkelte und sah zu mir hoch. »Es ist mir ein Rätsel, wie du es hinbekommst, so früh aufzustehen. Ich wäre um die Zeit nicht mal in der Lage, meine Zähne zu putzen.«
»Ich muss vor euch Studenten in der Universität sein, sonst sitzt ihr an klebrigen Tischen und die Räume müffeln nach Abfall.« Ich zwinkerte ihr zu, und Willow hob zum Schwur zwei Finger. »Ich werde mich bemühen, wenig Schmutz zu hinterlassen, versprochen«, sagte sie, drückte die Spülung und gab mir einen Kuss auf die Wange.
Bevor sie aus dem Bad schlurfte, strich sie mir über den Rücken. »Wir sehen uns später«, verabschiedete sie sich.
»Sei an deinem ersten Tag pünktlich!«, rief ich ihr hinterher.
Willow wandte mir im Flur das Gesicht zu, bevor sie die Tür von außen schloss. »Klar, hab ich Mom schon gestern am Telefon versprochen«, sagte sie schmunzelnd.
Seufzend blickte ich in den Spiegel und gestand mir ein, dass meine kleine Schwester viel entspannter war als ich.
Irgendwie war das kein Wunder. Willow fand schnell Freunde, war überall beliebt und konnte sich problemlos in Gruppen integrieren.
Dagegen war es für mich schwierig, soziale Kontakte zu pflegen. Außerdem hatten mich Professoren und Kommilitonen als nervend empfunden. Jedenfalls hatte ich den Eindruck. Oft hieß es: Misch dich nicht ein, stelle nicht ständig alles infrage, gib nicht überall deinen Senf dazu.
Dabei fand ich mich gar nicht so schlimm. Obwohl … Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, hatte ich diese oder ähnliche Sprüche schon auf der High School zu hören bekommen. Der einzige Mensch, der mich verstand und trotz meiner Probleme zu mir hielt, war Sky.
»Was zerbreche ich mir den Kopf, was andere Leute über mich denken, ist doch sowieso egal«, murmelte ich meinem Spiegelbild zu, nahm den Föhn in die Hand und begann, die langen Haare zu trocknen.
Als ich um fünf Uhr das Haus verließ und zum Auto ging, verspürte ich ein aufregendes Kribbeln im Bauch, was mich keineswegs erfreute. Abby, du bist so dumm, zu hoffen, ihn wiederzusehen, schallt ich mich.
Stöhnend schloss ich einen Augenblick die Augen und schüttelte den Kopf. Ich hatte an Dylan gedacht.
Verdammt, wie gehe ich damit um, wenn wir uns über den Weg laufen?

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Kapitel 2 - Dylan

Mit dem Rücken am Küchenblock gelehnt, schob ich mir den letzten Löffel Müsli zwischen die Zähne.
»Mann, Dylan, bist du endlich fertig?«, hörte ich Lucas ungeduldig vom Flur aus rufen. Er klapperte mit den Schlüsseln, um mir damit zu demonstrieren, dass er endlich loswollte.
Fuck. Er war natürlich schon fertig.
»Gib mir eine Minute«, rief ich mit vollem Mund zurück. Hastig kauend, spülte ich den Körner-Früchte-Mix mit dem Rest Kaffee herunter, stellte mein Geschirr in das Abwaschbecken und stürzte in den Flur.
Heute hatte das neue Semester begonnen, und wie zu jedem Semesterbeginn, war ich im Stress. Ich brauchte mindestens eine Woche, bis ich mich in den Unialltag eingefunden hatte.
Am Sonntag hatte ich mir noch vorgenommen, den Montag entspannt zu beginnen. Der Handywecker war gestellt. Doch statt pünktlich aufzustehen, hatte ich ihn ausgeschaltet und mir die Decke über den Kopf gezogen. Logisch, dass ich wieder eingeschlafen war.
Schlussendlich war ich hektisch in den Tag gestartet.
Ich hatte nur zwanzig Minuten Zeit gehabt, um zu duschen, den Rucksack mit den Büchern und dem Schreibzeug zu packen und das Frühstück runterzuwürgen.
Wieso begann bei mir der Morgen meistens chaotisch und bei Lucas entspannt? Irgendwie schien mein Mitbewohner, der auch mein bester Bro war, seinen Tag von der ersten Minute an perfekt durchzuplanen.
Nachdem ich einen letzten Blick in den Spiegel geworfen und mir mit gespreizten Fingern durch die kurzen schwarzen Haare gefahren war, warf ich mir den Rucksack über die Schulter.
Lucas grinste breit, und ich grinste zurück, als wir gemeinsam das Apartment verließen.
»Sag jetzt nichts Falsches«, knurrte ich.
»Ich?« Lucas zwinkerte.
Wir wussten beide, dass ich mich manchmal ein bisschen divenhaft gab, was mein Aussehen betraf. Damit zog er mich zu gern auf. Da es nun mal stimmte, nahm ich es ihm nicht übel.
Als wir das Haus verlassen hatten und auf Lucas’ geparkten Jeep zusteuerten, verspürte ich ein Ziehen im Magen.
Sofort wusste ich, warum.
Es war wegen Abby Thompson.
Während der Semesterferien hatte ich es glücklicherweise geschafft, die Erinnerung an sie in die hinterste Ecke meines Hirns zu verbannen.
Doch auf einmal schossen mir zwei Fragen in den Kopf: Wenn ich an der Michigan eintreffe und feststellen müsste, dass Abby sie verlassen hatte, wäre ich erleichtert? Oder würde ich die Frau vermissen?
O Mann, diese komischen Gefühle, die nach einem Jahr noch immer nicht abgeklungen waren.
Dass ich die Frau nicht aus meinem Kopf bekam, verwirrte und ärgerte mich gleichermaßen.
Denn es gab eine Zeit, da hatte ich gern an sie gedacht. Mit einem riesigen Schwarm Schmetterlinge im Bauch.
Doch jetzt …
Über mich selbst verärgert, schüttelte ich den Kopf.
Verdammt, Jenkins, vergiss sie! Dieses scheiß Magengrummeln muss aufhören, weil die Frau es nicht wert ist, auch nur den Hauch eines Gedankens an sie zu verschwenden.
Nicht, nachdem sie …
Boah, ich denke schon wieder an die Sache von damals, ärgerte ich mich und öffnete die Beifahrertür des Jeeps, um einzusteigen.
Denk bloß an was Schönes, keinesfalls an schokobraunes langes Haar, dunkelbraune Augen und volle Lippen.
Genau, ich stelle mir jetzt … Eine schmale Nase, hohe Wangenknochen … Moment, falsches Gesicht.
Ich fuhr mir stöhnend über den Mund. Ich hatte sie wieder vor meinem inneren Auge.
Himmelherrgott, wann hört das auf?
Gerade wollte ich mit Schwung die Tür zuwerfen, um mir klar zu machen, dass Abbys Gesicht ins Nirwana verschwinden sollte, da hörte ich die Eingangstür vom Apartmenthaus zufallen.
»Hey, wartet!«, rief Raoul.
Mein Blick schweifte zum Haus und ich sah, wie er die Treppenstufen mit zwei Sätzen herunter sprang und mit seinem Rucksack wedelnd zu uns rannte.
Eigentlich fuhr er morgens mit Ray zur Universität. Beide teilten sich wie Lucas und ich ein Apartment. Schon mit Beginn des ersten Semesters hatten wir gemerkt, obwohl wir Freunde waren und gemeinsam im College-Football-Team der Michigan spielten, dass wir lieber getrennt zur Universität fahren sollten. Wir würden ständig zu spät zu unseren Kursen kommen, weil Raoul morgens noch schwerer in die Gänge kam als ich.
Raoul hatte seinen Rucksack neben sich auf den freien Rücksitz gestellt und stieß erleichtert die Luft aus.
»Ein Glück habe ich euch noch erwischt, sonst hätte ich den Bus nehmen müssen und gleich den ersten Anschiss wegen Zuspätkommens kassiert.«
»Wieso bist du ohne Ray los?«, fragte ich mit Blick über die Schulter, während Lucas den Jeep startete, den Blinker setzte und sich in den Verkehr einfädelte.
»Weiß nicht genau.« Raoul hob die Schultern. »Er muss wohl vor Kursbeginn seine Laboranmeldung abgeben. Hat’s anscheinend verpennt.«
Die Straßen waren voll, die Autos quälten sich durch den Verkehr, und es kam mir vor, als ob wir im Schneckentempo unterwegs waren.
Lucas wollte in der Nähe der Cafeteria parken. Wie sich schnell herausstellte, keine Chance. Aufgrund des Semesterbeginns herrschte auf dem Campus ein wildes Durcheinander.
Fluchend fuhr er über das Gelände, scannte sämtliche Parkplätze ab, ob es noch irgendwo eine Lücke gab.
Lachend stieß ich ihn mit der Schulter an, streckte die Hand aus und zeigte auf einen freien Platz. »Schau mal, da müssen wir nur hundert Meilen zum Gebäude zurücklaufen«, scherzte ich.
»Hast wohl mit dem Müsli einen Clown gefrühstückt«, murrte Lucas, hielt an und nahm den Gang raus. »Wärst du pünktlich aufgestanden …«
»… hätte ich euch verpasst«, beendete Raoul mit spöttischem Unterton in der Stimme den Satz.
Mit hochgezogener Augenbraue sah Lucas erst mich, dann Raoul an, während wir uns abklatschten. Da wir beide morgens ziemlich lahm waren, hielten wir selbstverständlich zusammen.
»Macht mal eure Witze, Bros«, sagte Lucas achselzuckend. »Vielleicht sollte ich doch Ash den Vorschlag machen, dass wir uns ein eigenes Apartment suchen.«
Mir klappte die Kinnlade runter. Ich schluckte schwer. »Das … Das ist jetzt ein Spaß von dir, Luc?«
»Hmmm.« Mit ernster Miene wandte er mir wieder das Gesicht zu, kein Muskel zuckte.
Nee, das tut er mir nicht an, oder?
Meine Augen riss ich entsetzt so weit auf, dass sie problemlos mit denen einer Mangafigur konkurrieren könnten.
Wollte er nicht langsam mal meine Frage beantworten, die noch immer durch den Jeep schwebte?
Während ich ihn weiterhin fassungslos anstarrte, veränderte sich Lucas Miene.
Unerwartet warf er den Kopf in den Nacken und schlug sich lachend auf den Schenkel. »Dein Gesicht müsstest du sehen, Dylan, einfach krass!«, gluckste er.
Echt jetzt? Er hat mich mit Absicht zappeln lassen?
»Haha, ich muss ja sooo darüber lachen. Das ist ein beschissener Scherz!« Mir gelang es nur mit Mühe, einen Mundwinkel hochzuziehen.
Ich warf Raoul einen scharfen Blick zu, weil der natürlich die Fronten gewechselt hatte, um sich mit Lucas über mich zu amüsieren. Dabei war mir das Herz für einen Augenblick eine Etage tiefer gerutscht.
Ich mochte Ashley, jedoch konnte ich es mir schwer vorstellen, allein im Apartment zu wohnen. Ich brauchte immer Leute in meiner Nähe. Die Eremitennummer war nicht so mein Ding. Wobei ich es verstehen könnte und keinesfalls sauer wäre, wenn Lucas und Ashley diesen Schritt in Erwägung ziehen würden. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn sie sich dafür bis zum Ende des Studiums Zeit ließen.
Lucas legte den Gang ein und fuhr zur freien Stelle, die ich ihm gezeigt hatte und parkte den Jeep.
»Geht es nur mir so oder ist es für euch ebenfalls ein seltsames Gefühl, wieder jeden Tag die Michigan zu besuchen?«, wollte Raoul wissen.
Ich reagierte achselzuckend. »Schon merkwürdig«, meinte ich. »Die Ferien gehen viel zu schnell vorbei.«
»Die Footballsaison hat auch wieder begonnen«, warf Lucas ein und kniff mir in die Hüfte. »Bin gespannt, was dein Coach zu deinem Hüftspeck sagt.«
Lachend schlug ich die Hand weg. »Ich habe schon zwei Pfund abgenommen.« Das strahlende Gesicht meiner Grandma kam mir in den Sinn, wenn sie mir ihren Cheesecake servierte, und ich stieß einen Seufzer aus. War es meine Schuld, dass sie so verdammt gut backen konnte?
Wenn ich bei ihr zu Besuch war, befand ich mich immer wieder im gleichen Dilemma und schaffte es nie, ihrem Cheesecake mit Zimt und Zucker zu widerstehen.
Und leider war sie da keine Stütze.
Kaum hatte ich einen ihrer leckeren Kuchen verschlungen, hatte sie den nächsten mit dem Gesicht eines runzligen Honigkuchenpferds aus dem Backofen gezogen. »Ich freue mich so, mein Junge, wenn ich dich verwöhnen kann«, sagte sie jedes Mal.
Beim besten Willen, ich konnte sie dann nicht enttäuschen. Sie war so glücklich, mich wenigstens für drei Wochen im Jahr bei sich zu haben. Dann tat sie mir alles Gute, was sie meinte, mir Gutes tun zu müssen.
Die Zeit bei ihr nutzte ich, um ihr das Haus und den Garten auf Vordermann zu bringen. Entweder war ein Haushaltsgerät kaputt, hatte der Wasserhahn getropft, musste ein verdorrter Strauch ausgegraben werden oder der Zaun benötigte einen neuen Anstrich. Manchmal alles gleichzeitig.
Überraschend, wie viele kleine Reparaturarbeiten in einem Jahr anfallen konnten. Doch jetzt hieß es, einen guten Saisonstart hinzulegen. Stöhnend dachte ich an den heutigen ersten Trainingstag.
Ich wusste, John Young, mein Running Back-Coach, würde mich die nächsten zwei Wochen hart rannehmen. Wie ich ihn einschätzte, hatte er sich schon ein paar besonders, schweißtreibende Drills ausgedacht. Er wusste mittlerweile von meiner Cheesecakeschwäche, der ich immer in den Sommerferien zum Opfer fiel.
Lucas ließ es sich nicht nehmen, mir noch ein zweites Mal in die Hüfte zu kneifen, während ich für uns die Tür aufhielt, als wir das Kursgebäude betraten.
An der Treppe verabschiedeten Raoul und ich uns von Lucas. Er hatte im Erdgeschoss ein Seminar, wir mussten eine Etage höher.
Kaum waren wir im Gang, bewegten sich meine Beine keinen Millimeter. Wie an den Teppich festgewachsen, stand ich da und starrte zu der Frau, die mit verschränkten Armen an der Wand lehnte und mit finsterer Miene unser berühmtes Unterwäschemodel Logan Mayers beobachtete. Mein Herz schlug wie wild hinter den Rippen und meine Handflächen wurden schlagartig feucht. Langsam wischte ich sie an der Jeans ab.
O Shit. Abby war hier.
Sie hatte keinen anderen Job angenommen, arbeitete weiterhin als Reinigungskraft an der Universität, wie ich an dem mit Putzmitteln vollbeladenen Reinigungswagen sehen konnte, der neben ihr stand. Ich vermutete, dass sie außerdem in der Dining Hall ihrem zweiten Job nachging, so wie letztes Semester. Sie schien jeden Cent zu brauchen.
Mit viel Willenskraft gelang es mir, meinen Blick von ihr zu lösen, und mich dem lautstarken Geschehen am Schaukasten zuzuwenden.
Unterhosen-Logan war von einer Traube Studenten umringt und bequatschte eine zierliche Blondine. Da ich die meisten Leute am Schaukasten mit meinen eins fünfundachtzig überragte, konnte ich alles gut überblicken.
Nach dem Äußeren der Kleinen zu urteilen, war sie frisch von der High School zur Michigan gewechselt und unglücklicherweise in die Fänge von Loverboy Logan Mayers geraten.
Im Moment hatte ich keine Ahnung, womit er sie bequatschte, aber das würde ich gleich rausbekommen.
Raoul stieß mich an. Stirnrunzelnd sah ich zu ihm und stellte verwundert fest, dass er sich mit glänzenden Augen und geröteten Wangen das Haar aus der Stirn strich. Er war eindeutig nervös.
Ich verzog verwundert den Mund. Was ist denn mit ihm auf einmal los?
»Mann, Dylan.« Er deutete mit dem Kinn zur Kleinen, die von Ich-quatsche-dich-in-Grund-und-Boden-Logan in Beschlag genommen war. »Holy fuck, ist die süß«, murmelte Raoul.
Will er mich verarschen? Sie ist doch gerade erst den Windeln entstiegen?
»Das Mädel ist erstes Semester, Raoul!«, zischte ich ihm zu.
»Na und?«, reagierte er schulterzuckend. »Sie ist die hübscheste Frau, die ich je gesehen habe. Diese blonden Locken, die blauen Augen, der süße Hintern, wie ein kleiner Apfel. Einfach heiß.«
Ich schnaubte ein trockenes Lachen hervor. Was für einen Mist labert er? Wenn eine Frau auf dem Campus heiß ist, dann …
Mein Blick wanderte zurück zu Abby.
Sie hatte ihre Haare zu einem Messy Bun zusammengebunden. Mir gefiel dieser lässige Dutt. Sie trug ein schwarzes T-Shirt, blaue Jeans und Boots. Keine außergewöhnlichen Klamotten, trotz dessen erahnte ich darunter Abbys Wahnsinnsfigur.
Okay, ich wusste, was sie unter dem T-Shirt verbarg. Was ich nicht wusste, war, warum sie vor Monaten das Studium hingeschmissen hatte, obwohl sie die intelligenteste Frau war, die ich je kennengelernt hatte.
Aber man hatte ja schon von Genies gehört, die von heute auf morgen aufgehört hatten, ein Genie sein zu wollen.
Vielleicht tickte Abby ähnlich, was jedoch schade wäre, fand ich. Sie hätte so viel im Leben erreichen können.
Für einen kurzen Augenblick schloss ich die Augen und biss mir auf die Unterlippe, um Raoul keinesfalls zu widersprechen, wer hier die klügste und natürlich die sexiest Frau ever war. Mir fehlte die Lust, bescheuerte Fragen zu beantworten.
Raoul wusste nichts von ihr und mir, keiner meiner Bros. Das sollte unbedingt so bleiben.
Es reichte mir schon, dass es mich umhaute, Abby zu sehen, mehr, als ich es erwartet, geschweige denn zugegeben hätte.
Mein Herz war ein Scheißverräter.
Deshalb winkte ich lediglich ab und sagte: »Lass die Finger von der Kleinen, sie ist zu jung für dich und Mayers will sie für sich klarmachen.« Meine Antwort hatte ziemlich schroff geklungen. Aber das Blondchen schaute Ich-ficke-alles-Logan mit naiven Rehaugen an, als ob er der Superman vom Campus wäre.
Ashley traf ihn ab und zu im Fitnessstudio. Sie meinte, Mayers würde vorm Spiegel trainieren und ständig irgendwelche bekloppten Posen machen. Sie mochte den Kerl nicht. Ein fetter Pluspunkt für Lucas’ Freundin.
Ich spürte Raouls verärgerten Blick. Seine Reaktion passte zu meinem arschigen Kommentar. »Sag mal, Dylan, warum bist du so angepisst?«
Ich wandte ihm mein Gesicht zu. Schuldbewusst lächelte ich. »Sorry, Bro, aber ich denke, die Kleine steht eher auf fiese Typen wie Mayers.«
Raouls Augenbrauen schnellten hoch, schweigend studierte er mein Gesicht, bevor er sich wieder den Studenten vor dem Schaukasten zuwandte.
Ohne auf meine Entschuldigung einzugehen, schnappte er sich meinen Arm und zog mich ein Stückchen näher an die Traube heran. »Ich will mal wissen, worüber dort überhaupt geredet wird und was die süße Blonde an Unterhosen-Logan so toll findet.«

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Impressum - Leseproben

Erste Auflage 2019
Copyright © 2019 by Jenna Stean
Alle Rechte dieser Ausgabe vorbehalten

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung dieses Buches – auch nur Auszüge – sowie die Übersetzung dieses Romans ist nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Dies gilt insbesondere für jede mechanische, fotografische, elektronische und sonstige Vervielfältigung, Verbreitung – auch Auszüge – durch Film, Funk, Fernsehen, elektronischen Medien und sonstige Form von öffentlicher Zugänglichmachung.
Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

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